VON GEORG ANASTASIADIS
Jetzt reißt auch den Klimakämpfern von „Fridays for Future“ der Geduldsfaden mit den Aktivisten der „Letzten Generation“: Die nötigen gesamtgesellschaftlichen Lösungen zur Bewältigung der Klimakrise finde man nicht, indem man Menschen im Alltag gegeneinander aufbringe, warnen die Verantwortlichen von FFF. Das Fass zum Überlaufen brachten die jüngsten Sperrungen der Hamburger Elbbrücken durch die Klimakleber. Der Protest treffe Pendler und Pendlerinnen, die es sich „nicht leisten könnten, in der Hamburger Innenstadt zu wohnen“, fügte eine Sprecherin spitz an – das dürfte die Opfer der Sperrungen wohl von vielen ihrer Verursacher unterscheiden. Eine Gemeinheit waren die Straßenblockaden kurz vor Ostern aber nicht nur für Pendler, sondern auch für die, die auf dem Weg in den Osterurlaub waren.
Die zunehmende Radikalisierung der „Letzten Generation“, die drohende Beobachtung durch den Verfassungsschutz, auch manche indiskutablen Gerichtsauftritte, etwa in Frankfurt, in denen Aktivisten der „Letzten Generation“ den Staat lächerlich zu machen versuchten, sind zu einer ernsthaften Bedrohung für die Klimabewegung geworden. Egal wie man zu Fridays for Future steht: Die Bewegung hat durch ihren friedlichen Protest viel Renommee (und Macht) erworben; beides gerät durch die erpresserischen Aktionen von Radikalen in Gefahr und droht einer „Klimamüdigkeit“ in Teilen der Bevölkerung zum Opfer zu fallen. Es ist gut, dass sich der seriöse Teil der Klimabewegungen von den Krawallmachern distanziert. Dasselbe würde man sich auch von manchen Künstlern und Intellektuellen wünschen, die es noch immer schick finden, Aktivisten zu applaudieren, die vor allem kleinen Leuten das Leben schwermachen.
Georg.Anastasiadis@ovb.net