50 Euro, wenn‘s nicht wirklich schlimm war? Kassenärzte-Chef Andreas Gassen fordert eine Gebühr, für Patienten, die unnötig Notaufnahmen belasten ohne vorher telefonisch Rat zu suchen. Doch das ist zu kurz gegriffen.
Ein Problem des deutschen Gesundheitswesens ist der ungesteuerte Zugang zur Versorgung. Jeder kann im Prinzip aufschlagen, wo er will – beim Facharzt wie in der Notaufnahme. Die Folge: Sogenannte „Fußgänger“ belasten gerade am Wochenende mit mehr oder weniger banalen Leiden die Notaufnahmen, weil der Hausarzt gerade nicht zur Verfügung steht. Sie verstopfen das System und blockieren Kapazitäten für echte Notfälle. Dennoch wirft eine Strafgebühr aus heutiger Sicht Fragen auf. Wie groß ist die Gefahr, dass ernsthaft Erkrankte sich aus Angst vor den Kosten nicht in die Klinik trauen und vor dem Telefon kapitulieren? Wer heute die 116 117 anruft, landet schon mal im falschen Bundesland und wird gebeten, es noch einmal zu versuchen. Von langen Wartezeiten ganz abgesehen. Und was ist mit Menschen, die weder Deutsch noch Englisch sprechen?
Im ersten Schritt muss deshalb die von Karl Lauterbach geplante Reform zum Aufbau wirklich schlagkräftiger Leitstellen gelingen, die im kleinen oder großen Notfall telefonisch schnell den Weg durchs Gesundheitswesen leiten. Überzeugt dieses Angebot und erspart so verunsicherten Patienten den Weg ins Krankenhaus, erledigt sich die Diskussion um Strafen womöglich von selbst.
Sebastian.Horsch@ovb.net