München – Der Krimi um die durchgesickerten Pentagon-Dokumete nimmt immer dramatischere Ausmaße an. Aus den durchgesickerten US-Militärdokumenten geht hervor, dass 97 Spezialkräfte der Nato in der Ukraine stationiert sein sollen. Die Dutzenden, als „streng geheim“ gekennzeichneten Dokumente geben zahlreiche Details zum Krieg preis, unter anderem auch sensible Informationen zu den Vorbereitungen der Ukraine für eine Gegenoffensive im Frühjahr.
Noch ist unklar, was an den Leaks dran ist. Den Papieren zufolge soll Großbritannien 50 Spezialkräfte in die Ukraine entsandt haben. Auch Lettland (17), Frankreich (15), die USA (14) und die Niederlande (1) haben demnach Streitkräfte in die Ukraine geschickt. Wo genau sie sich befinden oder was sie tun, geht aus den Dokumenten nicht hervor, schreibt „The Guardian“. Die britische Zeitung habe demnach einen Teil der Papiere eingesehen. Die Kennzeichnungen auf den Dokumenten ließen darauf schließen, dass sie für hochrangige US-Verteidigungsbeamte erstellt wurden.
Veröffentlicht wurden sie anonym auf Discord, einer Plattform für Gamer. Einige der Dateien seien offenbar manipuliert worden, so „The Guardian“ – dennoch bestätigten US-Beamte in diversen Nachrichtenagenturen, dass viele der Dokumente echt seien. Das britische Verteidigungsministerium zweifelt daran. Die Dokumente wiesen ein „hohes Maß an Ungenauigkeit auf“, heißt es. Man solle „vorsichtig dabei sein, die Behauptungen für bare Münze zu nehmen“ und potenzielle Desinformationen zu verbreiten.
US-Außenminister Antony Blinken wollte sich nicht zu Echtheit und Inhalt der Dokumente äußern. Russlands Vize-Außenminister Sergej Ryabkow erklärte, die Leaks könnten eine „Täuschung“ der USA zulasten Russlands sein. Es sei „vermutlich interessant“, sich genauer anzusehen, ob es sich tatsächlich um Dokumente handle – „oder ob sie gefälscht oder absichtlich durchgesickert sein könnten“.
Neben den Leaks hat auch ein Video von der mutmaßlichen Enthauptung eines gefangenen ukrainischen Soldaten für internationale Aufregung gesorgt. Das eine Minute und 40 Sekunden lange Video zeigt einen Mann in Kampfanzug und Maske, der einem Mann mit einem Messer die Kehle durchschneidet und ihn enthauptet. Anschließend hält er den abgeschnittenen Kopf in die Kamera. Eine Stimme im Hintergrund sagt auf Russisch, der Kopf solle „in einen Sack gesteckt und an den Kommandeur geschickt“ werden.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete die Aufnahmen als Beleg für die Brutalität Russlands. Die Welt müsse sehen, „wie leichtfertig diese Bestien töten“, sagte er. Eine Regierungssprecherin sagte in Berlin, die Bundesregierung habe das Video „mit Bestürzung zur Kenntnis genommen“. Allerdings gebe es keine Erkenntnisse über dessen Echtheit. Sollte es authentisch sein, wäre die Tötung eines Kriegsgefangenen „ein schwerwiegender Verstoß gegen die Genfer Konvention“, sagte EU-Kommissionssprecherin Nabila Massrali.
Russischen Bürgerrechtlern zufolge soll der inhaftierte Ex-Söldner Andrej Medwedew seine früheren Kameraden als Täter identifiziert haben. Demnach sollen es Kämpfer der Söldnertruppe Wagner sein. KATHRIN BRAUN (mit afp)