Hohe Zinsen, explodierte Baukosten, fehlende Fachkräfte sowie Zeit und Geld fressende Bürokratie: Das alles führt dazu, dass in Deutschland weniger gebaut wird. Das ärgert die Bauindustrie – kann aber auch eine Chance für eine Baupolitik mit mehr Weitsicht sein. Denn: Eine echte Wohnungsnot, die sich nur mit Neubau lindern lässt, gibt es in Deutschland eigentlich gar nicht.
Stattdessen gibt es zwei andere Probleme: Erstens drängen immer mehr Menschen in Metropolen wie München, während im Bayerischen Wald Dörfer langsam veröden. Zweitens sind vor allem junge Familien verzweifelt auf Wohnraumsuche, in einstigen Neubaugebieten müssen Senioren ihre Häuser aber heizen, pflegen und sanieren, obwohl sie ihnen oft zu groß sind.
Diese Verteilungsprobleme muss die Politik angehen. Allerdings nicht, indem sie Menschen vorschreibt, wo und wie groß sie zu wohnen haben, sondern durch Anreize. Gerade in Zeiten von Homeoffice kann sie das Wohnen auf dem Land attraktiver machen, Stichworte: Internet und Anbindung. Und sie kann es honorieren, wenn Senioren ihr Haus vermieten, umbauen, aufteilen oder weitergeben wollen, statt das durch Steuern und Bauvorschriften zu erschweren. Das würde Druck vom Wohnungsmarkt nehmen – ohne dass die Landschaft endlos zugebaut wird, obwohl der demografische Wandel eine schrumpfende oder stagnierende Bevölkerung befürchten lässt. Und für das Klima wäre es sogar auch besser.
Andreas.Hoess@ovb.net