Berlin/Dakar – Wegen der schweren Kämpfe im Sudan sind am Mittwoch Tausende Menschen aus der Hauptstadt Khartum geflohen. Laute Explosionen und heftige Gefechte waren in der Stadt zu hören. Der Weltgesundheitsorganisation zufolge sind seit Beginn der Kämpfe mindestens 296 Menschen getötet und rund 3000 weitere verletzt worden. Viele Krankenhäuser in der Stadt schlossen infolge der Kämpfe oder Plünderungen.
Tausende Ausländer sind noch vor Ort – darunter auch Deutsche. Die Bundesregierung hat eine Evakuierung deutscher Staatsbürger aus dem Sudan wegen der Sicherheitslage abbrechen müssen. Bundeswehrflugzeuge waren am Mittwoch vor 5 Uhr in Wunstorf (Niedersachsen) gestartet. Die drei Militärtransporter vom Typ A400M flogen über Italien und nahmen in Griechenland frischen Treibstoff auf. Die Aufnahme der deutschen Staatsbürger hätte auf dem umkämpften Flughafen Khartum erfolgen sollen, die Rückkehr dann über den von der Bundeswehr genutzten Luftwaffenstützpunkt Al-Asrak in Jordanien. Am Mittwochnachmittag waren die Maschinen der Bundeswehr aber wieder auf dem Rückweg.
„Der Krieg zwischen den Parteien, der da jetzt ausgebrochen ist im Sudan, ist sehr plötzlich über das Land gekommen“, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz. Der SPD-Politiker erklärte, Deutschland würde bei einem möglichen Rettungseinsatz auch versuchen, Bürgern anderer Staaten die Ausreise zu ermöglichen. Voraussetzung für eine Evakuierung wäre eine Feuerpause.
In der sogenannten Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amtes hatte sich Angaben vom Montag eine „niedrige dreistellige Zahl“ deutscher Staatsangehöriger im Sudan registriert. „Die Kampfhandlungen sind sehr schwer zwischen den rivalisierenden Gruppen und Militärs. Es gibt Plünderungen im ganzen Land, Schüsse, Explosionen nicht nur in Khartum, sondern auch in anderen Städten Sudans“, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes gestern. Seit dem Wochenende tage im Auswärtigen Amt täglich der Krisenstab der Bundesregierung.
Ein Mitarbeiter der EU-Kommission ist innerhalb der unübersichtlichen Lage angeschossen worden. Laut der Behörde handelt es sich um den Leiter des Büros der Generaldirektion Humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz (ECHO) in der Hauptstadt Khartum. Er ist Belgier und arbeitet dort seit 2019 in dieser Funktion. Genauere Angaben machte eine Sprecherin aus Sicherheitsgründen nicht. Die „New York Times“ berichtete, der Mann sei schwer verletzt worden, schwebe aber nicht in Lebensgefahr. Er soll in der Nacht von Sonntag auf Montag verschwunden und dann erst am Dienstag von Kollegen gefunden worden sein.
Im Sudan kommt es seit dem Wochenende zu schweren Kämpfen zwischen den zwei mächtigsten Generälen und ihren Einheiten. Die zwei Männer führen das Land im Nordosten Afrikas mit rund 46 Millionen Einwohnern seit einem gemeinsamen Militärcoup im Jahr 2021. De-facto-Präsident Abdel Fattah al-Burhan, der auch Oberbefehlshaber der Armee ist, kämpft mit dem Militär gegen seinen Stellvertreter Mohammed Hamdan Daglo, dem Anführer der mächtigen paramilitärischen Gruppe Rapid Support Forces. dpa/afp