Anlaufstelle für Missbrauchsopfer

Politik darf sich nicht wegducken

von Redaktion

VON CLAUDIA MÖLLERS

Es dürfte kein Zufall sein, dass Sozialministerin Ulrike Scharf zwei Tage vor einer Expertenanhörung im Landtag die Einrichtung einer staatlichen Anlaufstelle für Betroffene von Missbrauch und Gewalt angekündigt hat. Seit über einem Jahr wird auch innerhalb der CSU darüber gestritten, ob sich staatliche Stellen in die Aufarbeitung des kirchlichen Missbrauchsskandals einschalten sollen. Der gesellschaftliche Druck wird immer stärker, im Landtagswahljahr kann sich die CSU nicht wegducken mit dem Argument, dass die Aufarbeitung „Sache der Kirchen“ und die Taten juristisch verjährt seien.

Die Anlaufstelle, die nun geschaffen werden soll, wird zwar zunächst nur eine Lotsenfunktion wahrnehmen. Sie soll Missbrauchsopfern, die es nicht fertigbringen, mit Kirchenvertretern zu sprechen, den Weg zu Hilfsangeboten ebnen. Doch das kann nur ein erster Schritt sein. Die Organisation, deren Vertreter Kinder sexuell missbraucht oder als Vorgesetzte Täter geschützt haben, kann das systemische Versagen nicht allein aufarbeiten. Der Staat muss seine Fürsorgepflicht erfüllen. Immer schärfer zeichnet sich ab, dass nicht nur in den Kirchen, sondern auch im Sport, in der Kultur und im familiären Umfeld sexualisierte Gewalt nach wie vor ein Tabu ist. Missbrauch ist ein gesellschaftliches Thema, das die Politik ernst nehmen muss. Erst dann können Betroffene vielleicht beginnen, wieder Vertrauen zu fassen.

Claudia.Moellers@ovb.net

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