Chinas Ansichten zu Osteuropa

Frei von gutem Willen

von Redaktion

VON MARCUS MÄCKLER

Das war deutlich. Selten unverblümt hat der chinesische Botschafter in Paris die Souveränität aller ehemaligen Sowjet-Staaten infrage gestellt und damit dokumentiert, wie weit Peking tatsächlich an der Seite Russlands steht. Selbst wenn die chinesische Führung die Äußerung einkassieren sollte, bleibt sie hochbrisant. Denn sie kratzt am Bild der angeblichen Friedensmacht, das Peking so gern von sich selbst zeichnet.

Offenbar verbindet China und Russland nicht nur eine „grenzenlose Freundschaft“, sondern auch die Überzeugung, dass alles, was mal russisch war, auch wieder russisch werden kann – oder soll. Estland, Lettland und Litauen reagierten zu Recht entsetzt auf die Botschafter-Sätze und forderten eine offizielle Rücknahme. Und natürlich strahlt die Sache auch direkt auf den Krieg in der Ukraine aus. Peking, das von einigen Gutgläubigen immer wieder als Friedensvermittler ins Spiel gebracht wird, ist in Wahrheit als solcher gänzlich ungeeignet. Schon der angebliche Friedensplan war kaum mehr als ein schlecht getarntes Täuschungsmanöver, das guten Willen bekunden sollte, wo tatsächlich keiner ist.

Einem chinesischen Diplomaten unterlaufen solche Äußerungen nicht einfach, sie sind als Positionierung ernst zu nehmen. Dass es im Übrigen der Botschafter in Paris war, der sich dazu berufen fühlte, wirft noch mal ein schlechtes Licht auf Emmanuel Macrons unglücklichen Besuch bei Xi Jinping. Wenn es darum geht, Naivität gegenüber China abzulegen, hat Europa noch viel zu tun.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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