Kiew/Moskau/Berlin – Die Ukraine fordert eine Verzehnfachung der westlichen Militärhilfe. Vizeaußenminister Andrij Melnyk sagte, die Partner im Westen sollten aufhören, künstliche rote Linien für ihre Unterstützung zu ziehen. Vielmehr sollten sie ein Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Waffenlieferungen an die Ukraine ausgeben. Das wären allein im Fall von Deutschland mehr als 35 Milliarden Euro.
„Wir sind unseren Verbündeten dankbar für ihre militärische Hilfe. Aber das ist nicht genug“, sagt Melnyk. „Die Ukraine braucht zehnmal mehr, um die russische Aggression dieses Jahr zu beenden.“ Bisher hätten alle Verbündeten zusammen 55 Milliarden US-Dollar (50 Milliarden Euro) bereitgestellt.
Unterdessen haben sich die Spannungen zwischen Russland und Deutschland weiter verschärft: Moskau weist 20 deutsche Diplomaten aus und begründet das mit einer erzwungenen Ausreise russischer Diplomaten aus Berlin. Man reagiere damit auf „feindliche Handlungen“ aus Berlin, teilte das russische Außenministerium mit. Die Rede war von einer „massenhaften“ Ausweisung russischer Diplomaten.
Für Schlichtung im Ukraine-Krieg will nun Brasiliens linker Präsident Luiz Inácio Lula da Silva sorgen. Während eines Besuchs in Portugal kritisierte er zwar erneut die Verletzung der staatlichen Integrität der Ukraine durch Russland. Er forderte jedoch keinen Rückzug der russischen Truppen, sondern plädierte für Friedensgespräche. Der Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates der Ukraine, Olexij Danilow, entgegnete, die Ukraine brauche niemanden, der sie an den Verhandlungstisch setzen wolle. Das Land brauche stattdessen Waffen.