Berlin/Khartum – Ein Rennen gegen die Zeit: Die Bundeswehr und andere westliche Streitkräfte haben in den ersten beiden Tagen ihres militärischen Evakuierungseinsatzes mehr als 1000 Menschen aus dem Sudan gerettet. Die Luftwaffe flog Deutsche und andere Staatsbürger mit Militärtransportern aus dem von Kämpfen erschütterten Land aus. Sie brachte so etwa 400 Menschen in Sicherheit. Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) und Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) appellierten an die beiden Konfliktparteien, die auslaufende Feuerpause zu verlängern. Dem kamen die Parteien am späten Abend wohl nach.
Der Schutz deutscher Staatsbürger im Sudan stehe im Vordergrund, sagte Pistorius. „Demzufolge wird die Operation auch noch fortgesetzt, bis auf Weiteres in enger Abstimmung mit dem Sudan und unseren Partnern“, sagte er. „Die Bundeswehr hat in beispielhafter Art und Weise gezeigt, wie kaltstartfähig sie ist, wie schnell sie sich auf eine solche Situation einstellen kann. Ohne jede Panne, ohne jedes Problem“, sagte er. Bundeskanzler Olaf Scholz sagte am Rande eines Nordsee-Gipfels zur Windkraft im belgischen Ostende: „Ich danke der Bundeswehr für diesen Einsatz.“
Baerbock sprach von einem Albtraum, der über den Sudan hereingebrochen sei. „Auch viele unserer Landsleute saßen tagelang unter Lebensgefahr fest, ohne Strom, zunehmend ohne Wasser und Vorräte. Es gab Plünderungen und entsetzliche Szenen auf den Straßen von Khartum“, sagte sie. Immerhin: US-Außenminister Antony Blinken erklärte am späten Montagabend, die sudanesische Armee und die paramilitärische RSF-Miliz hätten sich nach „intensiven Verhandlungen“ auf eine dreitägige landesweite Waffenruhe ab Mitternacht verständigt. Blinken rief beide Seiten auf, die Feuerpause in diesem Zeitraum „sofort und vollständig“ einzuhalten.
Sammelpunkt des Einsatzes ist ein militärisch gesicherter Flugplatz nahe Khartum. Die Bundeswehr hält Fallschirmjäger mit größerer Ausrüstung bereit. Zudem war das Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr mit seinen Fähigkeiten beteiligt. Auch die für besondere Einsätze im In- und Ausland ausgebildete GSG 9 der Bundespolizei und die Einheit der Bundespolizei, die sich um den Schutz deutscher Diplomaten im Ausland kümmert, leisteten einen Beitrag.
Der Sprecher des Bundesinnenministeriums, Maximilian Kall, teilte mit, „dass auch die Bundespolizei mit spezialisierten Einsatzkräften an dem Evakuierungseinsatz beteiligt ist“. Fünf deutsche Polizisten, die im Sudan an einer internationalen UN-Mission teilgenommen hatten, wurden nach Angaben des Innenministeriums als Teil der Evakuierung durch die Vereinten Nationen über Port Sudan außer Landes gebracht.
Das Auswärtige Amt ging gestern davon aus, dass noch Deutsche vor Ort sind. Nicht beziffert werden könne, wie viele dies seien, „da wir auch einige nicht telefonisch erreichen im Moment“, sagte ein Sprecher. „Wir wissen auch, dass einige Deutsche auf anderen Wegen Khartum schon verlassen konnten. Es gibt eine zweistellige Zahl, die auf einem Konvoi der Vereinten Nationen Richtung Port Sudan unterwegs ist.“ Unklar blieb, ob noch Deutsche in der sudanesischen Hauptstadt festsitzen oder nicht selbstständig zu dem Sammelpunkt gelangen können.