München – Vier Jahre lang war Markus Blume Generalsekretär der CSU – neben der Organisation von (mäßig erfolgreichen) Wahlkämpfen gehörten markige Sprüche zu seinem Hauptaufgabengebiet. Seit 14 Monaten arbeitet Blume nun als Wissenschaftsminister – ein ungleich komplexeres Feld. Der 48-Jährige hat sich eingearbeitet. Wer mit ihm spricht, merkt, wie tief er in der Materie steckt. Doch ganz ablegen kann er die Jahre unter Markus Söder in der Parteizentrale nicht: Seine Regierungserklärung gestern ist ein Feuerwerk der Sprüche und Zahlen. Kein Wunder, dass Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze danach ätzt: „Mit einem Schlagwort nach dem anderen baut man nicht den Wissenschaftsstandort der Zukunft.“
Ganz fair ist das nicht. Denn die Hightech-Agenda gehört zu den unterschätzten Kernstücken der Regierungspolitik in dieser Legislaturperiode. Vieles, was hier geschieht, könnte Bayern nicht nur als Wissenschafts- sondern auch als Wirtschaftsstandort prägen. Aber es ist schwierig zu verkaufen. Söder misst dem Projekt jedenfalls größte Bedeutung bei und betraute seinen Vertrauten mit der Aufgabe. Blume ist überzeugt: „Das war der Startschuss für das Bayern der Zukunft.“ Es sei kein Zufall, dass ein Weltkonzern wie Apple hierher komme.
2019 war die Hightech-Agenda ins Leben gerufen worden. Blumes Bilanz: Mit Investitionen von 3,5 Milliarden Euro wurden 13 000 Studienplätze und 2500 Stellen geschaffen. Darunter sind 1000 Professuren, von denen 62 Prozent schon besetzt seien, bei 21 Prozent laufe das Verfahren. Für einen kurzen Moment wird er selbstkritisch: Es gebe Aufholbedarf beim weiblichen Anteil.
Ein Fünftel der neuen Professoren komme aus dem Ausland, sagt der Minister. „Wir kehren den Braindrain um.“ Die besten Köpfe kämen nach Bayern. Auch von den 2000 Erstsemestern der TU München stamme ein Drittel aus anderen Ländern. Das seien Fachkräfte von morgen, so Blume. „Bei uns lockt nicht der Sozialstaat, sondern der Fortschrittsgeist.“
Der Minister verspricht weiter große Investitionen. Bis 2027 werden noch einmal zwei Milliarden Euro in die Hand genommen. Schwerpunkt: Kernfusion, Quantenrechner und Roboter. Man wolle zudem eine Exzellenzuniversität für Nordbayern erreichen. Dieses Ziel hatte Söder schon vor vier Jahren ausgegeben, bislang haben nur TU und LMU in München diesen Titel. Wichtig ist Blume aber, dass die Zahl der Hochschulstandorte insgesamt steige – kürzlich kamen Garmisch-Partenkirchen und Traunstein dazu. „Wir haben inzwischen mehr Hochschulstandorte als Landkreise.“
Für den Rest Deutschlands hat die Staatsregierung offenbar nur noch Verachtung übrig. In der Bundesregierung sei man „mehr mit Kiffen als mit KI beschäftigt“, findet Blume. Niedersachsen liefen die Abiturienten zum Studium davon. In Bayern dagegen blieben 81 Prozent der Abiturienten im Freistaat.
Es geht zur Sache im Maximilianeum. Jetzt werde auch mit Regierungserklärungen Wahlkampf gemacht, rügt Christian Flisek (SPD). Blume habe „nichts substanziell Neues“ angekündigt. Wolfgang Heubisch (FDP) kritisiert, die Staatsregierung mache vollmundige Versprechungen, die Mittel aber würden nicht abgerufen. Und Katharina Schulze beklagt nicht nur die Arbeitsbedingungen für den Mittelbau im Wissenschaftsbetrieb – sondern auch zu wenig Anstrengungen bei der Erforschung desKlimawandels. Robert Brannekämper (CSU) beschimpft sie dafür als „wissenschaftspolitische und ideologische Geisterfahrerin.“ Fast wie ein Generalsekretär. MIKE SCHIER