Viessmann ohne Wärmepumpen

Kein Grund zur Panik

von Redaktion

VON SEBASTIAN HÖLZLE

Der deutsche Heizungsspezialist Viessmann plant den Verkauf seiner Wärmepumpen-Sparte an den US-Konzern Carrier Global – und die Aufregung ist groß: Verliert Deutschland eine Schlüsseltechnologie? Werden Wärmepumpen knapp? Drohen höhere Preise? Niemand sollte sich aber verrückt machen lassen. Vieles deutet darauf hin, dass Wärmepumpen langfristig billiger werden.

In Deutschland läuft der Vertrieb von Heizungen traditionell über den Handwerker, und der verkauft gerne das, was er kennt: Viessmann, Vaillant oder Bosch Buderus. Wärmepumpen-Hersteller wie Daikin, Mitsubishi, Samsung oder Panasonic haben es in Deutschland schwer. Dabei stellen die Elektronikriesen seit Jahrzehnten auch massenhaft Klimaanlagen her – eine Technologie, die der Wärmepumpe ähnlich ist und sich in den letzten Jahrzehnten verbilligt hat. Hauseigentümer profitieren im besten Fall vom Viessmann-Verkauf: Carrier Global – immerhin der Erfinder der modernen Klimaanlage – erkauft sich für zwölf Milliarden Euro Zugang zum deutschen Markt, dessen Attraktivität angesichts der Wärmepumpen-Pläne der Bundesregierung steigt. Der Boom dürfte asiatische Hersteller nach Deutschland locken, im Kampf um Marktanteile könnte eine Preisschlacht einsetzen.

Natürlich wäre es wünschenswert gewesen, Viessmann wäre aus eigener Kraft oder durch Fusion zu einer konkurrenzfähigen Branchengröße gereift. Der Industriestandort Deutschland dürfte den Verkauf aber verschmerzen können – Klimatechnik ist keine Raketenwissenschaft.

Sebastian.Hoelzle@ovb.net

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