So blutig wie einst beim „Heide-Mord“, dem Meucheln der Kieler Ministerpräsidentin Simonis, ist es nicht geworden, aber auch Kai Wegner hat bei der Wahl zum Berliner Regierungschef böse Verwundungen davongetragen. Dass der Urnengang für ihn kein Selbstläufer werden würde, war abzusehen. Doch ein solches Abstrafen durch die künftigen Mitstreiter ist selbst nach den Maßstäben von Berlin, wo selten etwas auf Anhieb klappt, ein Debakel.
Die Wahl zeigt gleich mal, welche Fliehkräfte an der Koalition zerren, die nie im Verdacht stand, ein Liebesbündnis zu sein. Das ist zunächst für Wegner ein Problem. Er galt von Anfang an nicht als starker Kandidat, dafür fehlen ihm sowohl Ausstrahlung als auch Regierungserfahrung. Nun tritt er sein Amt in dem Wissen an, dass er eine Großbaustelle betreuen muss, ohne dass die Belegschaft auch nur so tut, als stünde sie geschlossen hinter ihm.
Nicht weniger heikel ist die Rolle der SPD. Deren Wahlverhalten geht weit hinaus über eine Protestnote vom linken Flügel. Es zeigt, wie zerrissen die Partei ist, wie heftig die Abneigung gegen die CDU, wie groß der Groll auf das eigene Führungsduo Giffey/Saleh. Die spektakulär geringe Zustimmung zu dieser Koalition – von Franziska Giffey zum „klaren Ergebnis“ verklärt – reichte den Kritikern nicht als Signal. Lieber sabotieren sie den Start, als ihre Vorbehalte konstruktiv einzubringen zum Wohle einer Stadt, die schon unter besseren Bedingungen schwer zu regieren wäre.
Marc.Beyer@ovb.net