Tarifkonflikt bei der Bahn

Verhandlungen im Bummelzug-Tempo

von Redaktion

VON ANDREAS HÖSS

Bald ist es wieder so weit: Weil sich die Bahn und die Eisenbahngewerkschaft EVG seit Februar nicht auf einen Tarifvertrag einigen können, wird wohl wieder gestreikt. Und das vermutlich länger als zuletzt, als das Land nur einen Vormittag lahmgelegt wurde. Schuld ist eine Art Stellungskrieg, den sich beide Parteien liefern.

So bietet die Bahn zehn Prozent mehr in zwei Stufen und einen steuerfreien Bonus, die EVG fordert aber zwölf und will nach einem Jahr nachverhandeln. Daneben hat man sich in Details wie einen Mindestlohn (der nur für einen Bruchteil gelten wird) oder Zuschüsse zur Betriebsrente verbissen. Im Hintergrund könnte es für die Gewerkschaft und ihr neues Team auch darum gehen, sich bei den Verhandlungen zu profilieren. Und die Bahn, die erst jetzt ein erstes richtiges Angebot vorgelegt haben soll? Ist immer schon ein Buch mit sieben Siegeln.

Angesichts hoher Reallohnverluste und zugleich wirtschaftlich schwieriger Zeiten sind harte Verhandlungen natürlich nachvollziehbar. Dass man in drei Tarifrunden aber nicht einmal offizielle Gespräche startet, ist schwer zu verstehen. Zumal der Zeitpunkt für Sturheit nicht schlechter sein könnte: Im Mai kommt das lange ersehnte 49-Euro-Ticket, das Autofahrer in die Bahn locken soll. Für sie dürfte es mit unfreiwilliger Entschleunigung und wütendem Warten am Bahnsteig beginnen. Doch die Verhandlungen laufen bisher im Bummelzug-Tempo.

Andreas.Hoess@ovb.net

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