Unter Genossen und Giraffen

von Redaktion

SPÖ-Machtkampf: Urabstimmung läuft, Attacken verschärft

Wien/München – Am 1. Mai, dem höchsten Feiertag der Sozialdemokratie, ist der SPÖ ein gewisses Maß an Verzweiflung anzuhören. „Die Zeit der internen Selbstbeschäftigung wird bald vorüber sein“, sagt die Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner. Man müsse sich dem Gegner entgegenstellen, Koalitionen von Konservativen und FPÖ verhindern. Die SPÖ brauche Geschlossenheit, ruft sie beim Maiaufmarsch in Wien, um das „Vertrauen der Menschen wiederzugewinnen“.

Kein Zweifel: Österreichs Sozialdemokratie steckt in einer Krise. Die Macht im Bund ist trotz ÖVP-Krise aktuell fern, in vier Landtagswahlen gab es schwere Rückschläge, in Salzburg sogar den Aufstieg der Kommunistischen Partei am linken Rand. Zugleich läuft ein erbitterter Machtkampf um die Führung der Partei. In einer Urabstimmung sollen bis 10. Mai die SPÖ-Mitglieder ihren Favoriten für den Vorsitz benennen. Die großstädtisch-moderne Rendi-Wagner (51) ist eine Kandidatin, der Burgenländer Landeshauptmann Hans-Peter Doskozil (52, absolute Mehrheit, strenger Migrationskurs) ihr Herausforderer. Der Dritte im Kandidatenfeld ist der Parteilinke Andreas Babler, ein Bürgermeister aus Niederösterreich.

Das Verfahren gilt als chaotisch. Zwischenzeitlich wurde sogar die Kandidatur einer Giraffe aus dem Wiener Zoo angemeldet, „Camelo Pardalis“ (neugriechisch: Giraffe) sollte SPÖ-Chefin werden. Die Zweibeiner unter den Bewerbern beharken sich schon hinreichend. Rendi-Wagner hat die ehemaligen SPÖ-Kanzler hinter sich, nicht aber Christian Kern (2016/17) – sie wirft ihm nun öffentlich vor, ihm fehle „Charakterstärke“. Wer die Urabstimmung gewinnt und ob sich der Parteitag dran hält, ist offen.  cd

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