Moskau wirft Kiew Anschlag auf Kreml vor

von Redaktion

VON KATHRIN BRAUN

München – Wie eine Schwalbe segelt die Drohne auf die russische Flagge des Kremls zu, dann ist für eine Sekunde alles grell. Das Video von den Flammen über der Putin-Residenz ist gestern Nachmittag in den Sozialen Medien viral gegangen. In der Nacht auf Mittwoch haben die ersten Anwohner von Explosionen über dem Kreml berichtet – gegen 2.30 Uhr habe man es knallen hören. Kurz darauf wurden die ersten Videos von Rauchwolken über dem Regierungssitz gepostet. Ob es sich um echte Videos handelt, ist noch unklar.

Moskau wartet nicht lange mit Anschuldigungen. „Heute Nacht hat das Kiewer Regime versucht, mit unbemannten Luftfahrzeugen die Kreml-Residenz des Präsidenten der Russischen Föderation anzugreifen“, behauptet die Präsidialverwaltung. Militär und Spezialdienste hätten „rechtzeitig“ eingegriffen und die zwei Drohnen abgeschossen. Die Überreste der Drohnen seien auf das Kreml-Gelände gefallen, es sei aber niemand verletzt worden. „Wir betrachten diese Aktionen als einen geplanten Terroranschlag und ein Attentat auf den Präsidenten“, heißt es. „Die russische Seite behält sich das Recht vor, Vergeltungsmaßnahmen zu ergreifen, wo und wann sie es für angebracht hält.“

Die Ukraine dementiert das angebliche Attentat. Ein hochrangiger Beamter des ukrainischen Präsidenten sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dass Kiew nichts mit dem Vorfall zu tun habe. „Wir haben keine Informationen über sogenannte nächtliche Angriffe auf den Kreml“, sagte auch Serhiy Nykyforow, ein Sprecher des ukrainischen Präsidenten Selenskyj, gegenüber CNN. „Wie Präsident Selenskyj bereits mehrfach erklärt hat, setzt die Ukraine alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel ein, um ihr eigenes Territorium zu befreien und nicht, um andere anzugreifen.“

Die russischen Medien greifen hingegen gleich das Narrativ des Kreml auf. „Kiew hat versucht, Putins Kreml-Residenz mit Drohnen zu beschießen“, titelt etwa Ria Novosti. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte gegenüber der russischen Nachrichtenagentur, Putin sei zum Zeitpunkt des Angriffs nicht im Kreml gewesen. Man werde zudem an den Plänen für eine Militärparade am 9. Mai zum „Tag des Sieges“ über Nazi-Deutschland festhalten.

Nur kurz vorher hatte der russische Geheimdienst FSB die Festnahme von sieben Saboteuren auf der Krim bekannt gegeben. Das „Agentennetzwerk des ukrainischen Militärgeheimdiensts“ habe „eine Reihe größerer Sabotageakte und terroristischer Angriffe“ geplant. Unter anderem habe es hohe Politiker ermorden wollen, darunter den von Moskau eingesetzten Gouverneur der Krim.

In den vergangenen Tagen haben sich Anschläge auf russische Infrastrukturobjekte gehäuft. So ging in der Nacht zum Mittwoch ein Treibstofflager nahe der Krim-Brücke in Flammen auf, zuvor war am Samstag ein Öldepot in der strategisch wichtigen Hafenstadt Sewastopol auf der Krim durch eine Drohne in Brand gesetzt worden. Zwei weitere Drohnen wurden gestern über der Krim abgeschossen.

In der westrussischen Region Brjansk ist in der Nacht auf Mittwoch zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit ein Güterzug entgleist. Bereits am Montag war in derselben Region ein Zug entgleist, nachdem Unbekannte die Schienen gesprengt hatten. Bei russischen Angriffen auf die Stadt Cherson kamen gestern mindestens 19 Menschen ums Leben. mit afp

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