Spinat und Steinbutt für Obama

von Redaktion

VON MARC BEYER

Berlin – Das Treffen war als privat definiert, aber natürlich bleibt so ein Termin nicht wirklich privat, wenn Angela Merkel daran teilnimmt. Erst recht, wenn ihr Gegenüber beim Abendessen in einem Berliner Ristorante – in den lokalen Zeitungen ist selbstverständlich von einem „Edelitaliener“ die Rede – Barack Obama ist, der frühere US-Präsident. Angekündigt hat sie ihn dem Wirt lediglich als „einen wichtigen Gast“. Aber da längst bekannt ist, dass Obama in die Stadt kommt, hält sich die Überraschung bei den Angestellten des „Ponte“ in Grenzen. Sie gehen dann auch gerne an die Arbeit, obwohl der Dienstag eigentlich ihr Ruhetag ist.

Fast vier Stunden dauert das Dinner der beiden langjährigen Weggefährten und heutigen Polit-Rentner, berichtet der Tagesspiegel. Das Leben als Privatier dürfte recht angenehm sein, wobei: Ganz privat ist Barack Obama (61) auch wieder nicht in Deutschland. Gestern Abend trat er in einer Arena am Ostbahnhof auf, sie fasst 17 000 Sitzplätze, und die allermeisten Tickets waren auch verkauft, zu Preisen von 61 bis 550 Euro. Ein VIP-Paket kostete noch deutlich mehr.

Streng genommen war es also ein geschäftlicher Termin für Obama, aber was heißt das schon? Im Grunde hatte er vor allem die Rolle zu spielen, die er seit seinem Auszug aus dem Weißen Haus im Januar 2017 eh meistens spielt: die des coolen Elder Statesman, der noch eine Menge zu sagen hat, dies aber nur sehr dosiert tut (dann aber meistens gegen ein großzügiges Honorar, das an seine Stiftung geht). Angekündigt war in Berlin eine „Botschaft des positiven und nachhaltigen Wandels“, die Obama angeblich senden wollte. So hat es sein Veranstalter jedenfalls formuliert. Natürlich ist das vor allem PR-Gedöns.

Es ist dann so, wie man es erwarten konnte. Obama plaudert, erklärt, doziert, er ordnet das große politische Geschehen ein und nimmt nebenbei mit seiner Lässigkeit und Selbstironie die Leute für sich ein. Er spricht mit Moderator Klaas Heufer-Umlauf über aktuelle Themen wie den Klimawandel und gute politische Führung oder warnt vor Polarisierung und Desinformation als Gefahr für die Demokratie: „Manche jungen Leute glauben, alles, was sie auf TikTok sehen, ist wahr. Wer auch immer das von euch denkt: Ist es nicht.“ Aber für eine gute Pointe ist auch immer Platz: „Fragen Sie meine Frau Michelle, ich habe zehnmal am Tag Unrecht.“

Zum Auftakt hatte er berichtet, er habe einen großartigen Tag in Berlin gehabt: „Das Essen mit Kanzler Scholz war toll.“ Gestern Mittag war er zu Gast im Kanzleramt, allerdings ist über die Speisenfolge nichts bekannt – anders als am Vorabend im „Ponte“, wo Spinatsalat und Steinbutt aufgetischt wurden. Merkel und Obama, das ist eben eine spezielle Beziehung.  mit dpa

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