CSU kürt Spitzenkandidaten

100 Prozent Söder

von Redaktion

VON GEORG ANASTASIADIS

Viel wurde gefrotzelt auf dem CSU-Parteitag über die zeitgleiche Krönung von Markus Söder und seinem britischen Kollegen Charles; anders als in London mussten in Nürnberg noch nicht mal renitente Monarchiegegner verhaftet werden. Auf die 100 Prozent Zustimmung für den großen bayerischen Vorsitzenden war vermutlich sogar Chinas Diktator Xi neidisch. Die CSU musste sich dafür nicht mal verstellen, jedenfalls nicht sehr. Fünf Monate vor der Wahl ist der wort- und tatgewaltige Ministerpräsident in seiner Partei so unumstritten wie vor den beiden gravierenden Fehlern seiner bisherigen Amtszeit: dem Chaos um die Kanzlerkandidatur und der Halsstarrigkeit am Ende der akuten Coronaphase.

Söder, der Wandelbare, hat das Unwahrscheinliche geschafft. Fünf Monate vor der Bayernwahl ist der 56-Jährige (auch dank freundlicher Ampel-Mitwirkung) wieder so stark, dass er sich nur selbst schlagen kann – was bei Söder generell nie ganz auszuschließen ist. Unwägbarkeiten gibt es, doch sind diese eher übermenschlicher Natur: Ein Hitze- und Dürresommer könnte den Grünen aus ihrem Konjunkturloch helfen. Ansonsten scheint für die CSU aktuell viel möglich, bis hin zur absoluten Mehrheit. Die freilich sollte man dem zu Übermut neigenden Machtmenschen Söder (und sich selbst) lieber nicht wünschen.

Strauß hatte einen Maier und einen Waigel, Stoiber einen Alois Glück als Korrektiv. So einen gibt es neben Söder nicht mehr. Der Chef erledigt alles selbst, und jetzt will er im Nebenjob auch noch Bayerns oberster Wind-Bauer werden. Es geht scheinbar nicht ohne den Kraftprotz in der Staatskanzlei. Dass sich eine zunehmend lethargische CSU zu sehr auf ihren 100-%-Mann verlässt und vergisst, dass eine lebendige Regierungspartei mehr sein muss als ein Abnickverein, ist das Lebensrisiko der Söder-CSU.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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