Die Krönung in London

Momente der Magie und des Zweifelns

von Redaktion

VON CHRISTIANE WARNECKE

Es waren Bilder wie im Märchen. Ein König von Gottes Gnaden wird gekrönt und trägt, in ein goldenes Gewand gehüllt, die juwelenbesetzten Insignien der Macht durch die Westminster Abbey. Kein Land der Welt versteht es so wie die Briten, royale Magie zu versprühen. Es war ein Jahrhundertereignis, das gerade in den gegenwärtig schwierigen Zeiten in Großbritannien identitätsstiftend wirkte und den Briten eine langersehnte Gelegenheit bot, sich und die stolze Geschichte ihres Landes zu feiern.

Die Magie des Augenblicks mischt sich aber mit dem Eindruck, dass eine solche Krönung doch aus der Zeit gefallen wirkt. Viele Elemente sind, rational betrachtet, unvereinbar mit den Werten einer westlichen Demokratie im 21. Jahrhundert. Hinzu kommen die gewaltigen Kosten in dreistelliger Millionenhöhe, die Zweifel an der Monarchie wecken in einem Land, in dem viele Menschen stark unter den Folgen des Brexit und der Wirtschaftskrise leiden. Auch die Festnahmen bei Protesten stoßen auf Kritik. Gerade zu diesem Anlass das neue Polizeigesetz anzuwenden, das ein härteres Durchgreifen erlaubt, offenbart wenig Fingerspitzengefühl im Umgang mit dem wachsenden Teil der Briten, die sich ein gewähltes Staatsoberhaupt wünschen.

So wirkte Charles während der Krönung so ernst, als spürte er nicht nur das Gewicht der Krone auf seinem Haupt, sondern zugleich die Last der geballten Herausforderungen auf seinen Schultern.

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