Opposition: Angebot aus Ankara

von Redaktion

Kandidat Kilicdaroglu will Kontakt nach Deutschland vertiefen

Istanbul – Der türkische Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu will im Falle eines Sieges bei den Wahlen in einer Woche die Beziehungen zu Deutschland stärken. Die Türkei wolle zügig in Sachen Vollmitgliedschaft in der EU und Visafreiheit vorankommen, deshalb müssten auch die Beziehungen zu Deutschland sehr gut sein, sagte Kilicdaroglu deutschen Journalisten. Denn Deutschland sei das dominante Land in der EU. „Wir werden unsere Beziehungen zu Deutschland mit Sicherheit stärken“, sagte er. Nach einem Wahlsieg sei Deutschland möglicherweise unter den ersten drei Ländern, die er besuchen wolle.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan muss nach 20 Jahren an der Macht um seine Wiederwahl fürchten. Umfragen sehen bei der Parlaments- und Präsidentenwahl am 14. Mai ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Erdogan und dem Oppositionsführer. Kilicdaroglu – den Erdogan gestern als „Säufer“ beschimpfte – tritt als gemeinsamer Kandidat für eine Allianz aus sechs Oppositionsparteien an.

Kilicdaroglu kritisierte zudem Äußerungen von Regierungspolitikern, die einen Wahlsieg der Opposition mit einem Putsch gleichsetzten. „Das zeigt, dass sie nicht an Demokratie glauben“, sagte er. „Was sie auch tun, die Stimmen des Volkes sind wertvoll, und das müssen sie akzeptieren.“

Der Türkei-Experte und Journalist Oliver Mayer-Rüth sagte unserer Zeitungsgruppe, er rechne mit einer Stichwahl. „Ich gehe nicht davon aus, dass Erdogans Partei AKP gemeinsam mit der rechtsextremen Partei MHP genug Stimmen für eine Mehrheit im Parlament bekommt.“ Allerdings gelte Kilicdaroglu im Land „nicht als starke Führungsfigur“.   A. MERHOLZ/M. SCHMITT

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