VON GEORG ANASTASIADIS
Zum Besten, was sich über das Treffen von Bundesaußenministerin Annalena Baerbock mit ihrem chinesischen Amtskollegen Qin Gang sagen lässt, gehört, dass es überhaupt zustande kam – unmittelbar nach der brüsken Ausladung von Bundesfinanzminister Lindner in Peking. Zwischen beiden Ländern weht seit Ausbruch des Ukrainekriegs ein kalter Wind, erkennbar auch an den gegenseitigen Ermahnungen, die sich gestern wie ein roter Faden durch die gemeinsame Pressekonferenz in Berlin zogen.
In China geben zunehmend die sogenannten „Wolfskrieger“ den Ton an, die sich in teils aggressiven Formulierungen jegliche Einmischung in vermeintlich innerchinesische Belange verbitten, wozu nach Pekinger Lesart auch Besuche deutscher Politiker in Taiwan zählen. Umgekehrt verschärft nun auch die EU ihre Gangart gegenüber China. Die Kommission bereitet Sanktionen gegen Unternehmen aus Drittstaaten vor, denen Europa vorwirft, Russlands Angriffskrieg mit Lieferungen zu unterstützen. Auch acht chinesische Firmen sollen auf einer entsprechenden schwarzen Liste der Europäer stehen. China hat darauf mit dem Muster reagiert, das die Welt seit Amtsantritt von Präsident Xi kennt: mit harten Drohungen und der Ankündigung „entschlossener Gegenmaßnahmen“.
Das muss noch nicht der Auftakt zu dem seit Langem befürchteten Wirtschaftskrieg sein, doch die Europäer machen mit ihrer Zeitenwende erkennbar Ernst, und die Gefahr, dass es im weltumspannenden Ringen der Systeme so weit kommt, war noch nie so groß. Die Spirale dreht sich, nach unten. Der deutsche Mittelstand hat darauf bereits reagiert, indem er seine China-Investitionen zurückfährt. Mutiger war man bisher in den Vorstandsetagen der großen Konzerne, wo man „nur“ das Geld der Aktionäre verwaltet. Doch auch dort dürften nun manche kalte Füße kriegen.
Georg.Anastasiadis@ovb.net