Putins Rede

Phantasmen ohne Zukunft

von Redaktion

VON MARCUS MÄCKLER

Das Mantra vom bedrohten Russland, vom faschistischen Westen, vom aufgezwungenen Krieg, es fehlte auch in dieser Rede nicht. Wladimir Putin, dem keine Verdrehung zu schräg, keine Lüge zu dreist ist, hat sich gestern in Moskau einmal mehr und ohne Anzeichen von Schamesröte zum Verteidiger der globalen Ordnung erklärt, Russland zum Opfer westlicher Aggression. Alles daran war falsch, nichts überraschend. Allenfalls die Unverfrorenheit, mit der der faschistoide Autokrat die eigenen Phantasmen wiederholt – ausgerechnet am Tag des Sieges über den Faschismus.

Doch was als Machtdemonstration angelegt war, offenbarte ein Stück weit die Kraftlosigkeit eines Regimes, das zwar einen Krieg entfesselt, aber wenig vorzuweisen hat. Die viel beschworene Offensive: festgefahren. Der Streit mit den Wagner-Söldnern: so gut wie eskaliert. Die Sicherheitslage im eigenen Land: zunehmend fragil. Nach dem Drohnenangriff auf Moskau sagten viele russische Städte die für gestern geplanten Paraden ab. Was Putin seinem Volk zu bieten hat, sind nur mehr Durchhalteparolen. Selbst die Sekundanten aus den Ex-Sowjetrepubliken kamen nur als Zwangsverpflichtete. Putins imperialistisches Russland ist weder am Ende noch wirklich isoliert. Aber eines ist es, wie der Kanzler gestern in Straßburg andeutete, doch: ohne echte Zukunft.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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