Rabbiner-Konferenz kommt an die Isar

Ein Münchner Wunder nach der Shoa

von Redaktion

VON GEORG ANASTASIADIS

Es ist ein Signal, das weit über den Tag hinausreicht. Mehr noch, es ist ein kleines Wunder und die Krönung eines historischen Versöhnungswerks: Die Konferenz der Europäischen Rabbiner verlegt ihren Sitz nach München. Nicht Paris, nicht London, sondern München. Nirgendwo anders fühle sich die jüdische Gemeinde mit ihren Einrichtungen so gut beschützt und so warm willkommen geheißen wie hier, begründete der Präsident der Rabbiner-Konferenz, der gerade aus Putins Moskau geflohene Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt, die Entscheidung.

München, die einstige „Hauptstadt der Bewegung“, wo vor 90 Jahren das abgrundtief Böse sein Haupt erhob und der Holocaust seinen Anfang nahm, sei heute eine „herausragende Metropole des europäischen Judentums“, sagt die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde, Charlotte Knobloch. Den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder nennt die 90-jährige Shoa-Überlebende den „Schutzpatron“ der jüdischen Gemeinde, die durch ukrainische Flüchtlinge zuletzt weiteren Zulauf erhielt. Das ist eine große Auszeichnung, vor allem aber ist es eine wichtige Verpflichtung in einer Zeit, in der der Antisemitismus überall in Europa wieder auf dem Vormarsch ist und Menschen jüdischen Glaubens ihre europäischen Heimatländer verlassen, um in Israel eine Zuflucht zu finden. Es geht ja nicht immer gleich um rechten Terror; neue, starke Wurzeln hat der Antisemitismus auch in den wachsenden muslimischen Gemeinden oder, gut getarnt, in der linken Israel-Kritik. Und meist beginnt die Ausgrenzung mit vermeintlich harmlosen Hänseleien in der Schule. Es gibt kaum ein jüdisches Kind, das nicht Zeugnis davon ablegen könnte, berichten Eltern.

Söder hat den jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern ein Schutzversprechen gegeben, als er sagte: „Ihre Sorgen sind unsere Sorgen.“ Es einzulösen, ist nicht nur Sache des Landesvaters, sondern aller Bürger in Bayern.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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