Schröder mit AfD und Linken beim Russen-Empfang

von Redaktion

Altkanzler kommt zum Gedenken an Jahrestag des Sieges über Nazi-Deutschland – AfD-Chef mit passender Krawatte

München – Es ist eine interessante Mischung aus Gästen, die sich da am Dienstag in der russischen Botschaft eingefunden hat. Anlass ist das Gedenken an den Sieg über den Faschismus – gemeint: das Ende des Zweiten Weltkriegs, bei dem die von Josef Stalin geführte Sowjetunion zu den Siegermächten gehörte. Angesichts des russischen Angriffskriegs in der Ukraine ist dieser Gedenk-Termin alles andere als gewöhnlich. Der prominenteste Besucher: Altkanzler Gerhard Schröder mit seiner Ehefrau Soyeon Schröder-Kim.

Der Ex-Politiker, der noch immer in der SPD Mitglied ist, inzwischen aber sein Geld als russischer Lobbyist verdient, befindet sich in außergewöhnlicher Gesellschaft. Der frühere SED-Generalsekretär Egon Krenz ist zum Beispiel gekommen, der 1996 als Mitverantwortlicher des DDR-Grenzregimes wegen Totschlags in vier Fällen verurteilt wurde. Knapp vier Jahre lang saß er im Gefängnis. Auch die AfD-Politiker Alexander Gauland (Ehrenvorsitzender) und Tino Chrupalla (Parteichef) sind da. Der aktuelle Vorsitzende der Partei hat sich eigens eine Krawatte in den Farben der russischen Föderation umgebunden. Er habe dem russischen Botschafter Sergej Netchajew eine Tasse mit preußischem Adler als Geschenk überreicht, twittert er tags darauf stolz und schiebt nach: „Für Frieden und Aussöhnung!“

Die „Berliner Zeitung“, die als erstes über die Zusammenkunft berichtet, hat auch weitere Namen von der Gästeliste. Zum Beispiel den bayerischen Linken-Politiker Klaus Ernst, der seit Langem für ein Ende aller Sanktionen gegen Russland und die Wiederaufnahme der Gaslieferungen wirbt. Ohne den Sieg Russlands wäre sein Leben anders verlaufen, behauptet der 1954 in München geborene Bundestagsabgeordnete gegenüber der Zeitung. Russland habe „entscheidenden Anteil an der Niederwerfung des Faschismus“ gehabt. Ernst ist im Bundestag kein Hinterbänkler, sondern Vorsitzender des Ausschusses für Klimaschutz und Energie.

Die russische Botschaft veröffentlicht am Tag danach Fotos der Veranstaltung, die prominenten deutschen Gäste sind darauf aber nicht zu sehen. In seiner Rede, die im Wortlaut veröffentlicht wird, geht Botschafter Sergej Netchajew nur indirekt auf die aktuellen Ereignisse ein. Er lobt die Soldaten von einst, die gegen die Nazis gekämpft hätten. „Es wird verstärkt versucht, die Geschichte zu Gunsten der aktuellen politischen Konjunktur zu verdrehen, Opfer und Henker sowie Sieger und Besiegte gleichzusetzen“, sagt Netchajew. In einigen Ländern würden Nazis und ihre Helfershelfer als nationale Helden gefeiert. „Das kann man nicht hinnehmen. Dem Nazismus darf man keine einzige Chance aufs Wiederaufleben geben – auch nicht als Russophobie.“

Die russische Propaganda hatte den Überfall auf die Ukraine stets als einen Akt der Selbstverteidigung präsentiert – seit Langem ist in Moskau die Rede davon, in Kiew hätten Faschisten und Nazis das Sagen. Der ehemalige russische Präsident Dmitri Medwedew, der heute Vizechef des russischen Sicherheitsrates ist, hatte zu Jahresende prognostiziert, Deutschland und seine Nachbarländer würden bald ein „Viertes Reich“ gründen.  mik

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