Ein Spitzenkandidat – oder sieben

von Redaktion

AfD will auf Parteitag die Weichen für die Landtagswahl stellen

München – So viel Zurückhaltung ist fast untypisch. Während die Konkurrenz im Freistaat ihre Spitzenkandidaten für die Landtagswahl längst gekürt hat, ist die AfD noch im Hader-Modus. Braucht es ein (halbwegs) prominentes Gesicht für den Wahlkampf? Ist das unvermeidlich Parteichef Stephan Protschka?

Ein wenig hängt die Unruhe des letzten Wahlkampfs noch nach, als man sich im Lagerstreit nicht auf einen Kandidaten einigen konnte. Die Landtagsfraktion meint deshalb, man sollte es diesmal anders angehen: mit einem Team aus Spitzenkandidaten. Beim Parteitag am Samstag in Greding will sie vorschlagen, alle sieben Listenführer ins Rennen zu schicken; womöglich, aber nicht gewiss, plus Fraktionschef Ulrich Singer. Der Vorschlag habe gute Chancen durchzugehen, heißt es. Sicher ist das aber nicht, AfD-Parteitage sind völlig unwägbar. Delegierte gibt es nicht, es entscheidet, wer dort ist. Die zerstrittenen Lager versuchen darum stets, möglichst viele Anhänger zu mobilisieren.

Möglich also, dass alles ganz anders kommt. Viele rechnen damit, dass Parteichef Protschka sich zur Wahl stellt. Seine Ambition ist bekannt. Er könne zwar mit einem Team-Modell leben, sagte er auf Anfrage. Aber: „Ein Wahlkampf ohne Spitzenkandidat ist einfach kein echter Wahlkampf. Ich könnte mir vorstellen, das zu übernehmen.“ Leicht dürfte er es aber auch nicht haben. Protschka kandidiert nicht für den Landtag. Kritiker sagen, er sei in Bayern kaum präsent. Und, weil klar im völkischen „Flügel“-Lager verortet, nicht allen problemlos vermittelbar.

Mehr Einigkeit dürfte es beim Wahlprogramm geben, das der Parteitag beschließen will. „Inhaltlich“, sagt Protschka, „sind wir eh zu 99 Prozent einer Meinung.“  mmä

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