Nach der Pleite beim ESC

Ausstieg wäre die falsche Entscheidung

von Redaktion

VON RUDOLF OGIERMANN

Wieder sind „wir“ nur Letzter geworden beim Eurovision Song Contest. Und wieder fordern viele nun wütend Konsequenzen – wie in jedem Jahr seit 2018. Beispielsweise Thomas Gottschalk, der Deutschland „vom Rest Europas verarscht“ glaubt. Man solle den Geldhahn zudrehen, schlägt der große Herbstblonde vor, was wohl nichts anderes heißen soll als – auszusteigen.

Es stimmt, die Bilanz war zuletzt ernüchternd, und es stimmt auch, dass Deutschland keine Sympathiepunkte seiner (deutschsprachigen) Nachbarn zu erwarten hat, anders als die Länder Ost- und Südosteuropas oder Skandinaviens. Dennoch wäre es falsch, sich nun beleidigt vom ESC abzuwenden. Es gilt der berühmte Satz „Wer rausgeht, muss auch wieder reinkommen!“ Wann wäre dafür der richtige Zeitpunkt? Nach zwei, nach fünf, nach zehn Jahren? Nie mehr? Bei einem Spektakel wie diesem nur noch Zuschauer zu sein wäre bitter – nicht nur für deutsche Künstlerinnen und Künstler.

Nein, es hilft nichts, „wir“ müssen es weiter versuchen. Müssen Musikerinnen und Musiker an den Start bringen, die durch ihren Song und ihre Persönlichkeit überzeugen – wie Lena Meyer-Landrut im Jahr 2010 und zuletzt Michael Schulte vor fünf Jahren. Martialischer Rock steht Deutschland ebenso wenig wie wütender Rap oder seichter Ulk, der den Contest nicht ernst nimmt. Auf ein Neues im nächsten Jahr, es kommen auch wieder bessere Platzierungen.

Rudolf.Ogiermann@ovb.net

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