LEONIE HUDELMAIER
Der rote Teppich für den Stargast aus der Ukraine wurde jetzt auch in Berlin ausgerollt: Nach Stippvisiten in Washington, Paris, Brüssel und zuletzt in Rom war der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erstmals seit dem russischen Angriffskrieg auch in Deutschland zu Gast. Der Kurzbesuch demonstrierte Einigkeit – militärische Ehren und die Verleihung des Karlspreises für die Verteidigung europäischer Werte inklusive.
Dass sich Selenskyj in Berlin vor allem mit SPD-Politikern so geeint zeigte, ist keinesfalls selbstverständlich. Die Zögerlichkeit von Kanzler Olaf Scholz bei den Waffenlieferungen sorgte zeitweise für Verstimmungen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bekam Selenskyjs kalte Schulter noch deutlicher zu spüren, als er im April 2022 kurz vor seinem Ukraine-Besuch quasi ausgeladen wurde. Die einst russlandfreundliche Politik der Sozialdemokraten schwebte über der Berlin-Kiew-Beziehung wie ein modriger Geruch aus vergangenen Zeiten.
Doch das scheint größtenteils überwunden. Der ukrainische Präsident bedankte sich im Gästebuch nicht nur bei Steinmeier persönlich, sondern bei allen. Auf Deutsch schrieb er „Danke Deutschland“. Dieser Dank gilt auch dem größten deutschen Rüstungspaket im Wert von 2,7 Milliarden Euro an die Ukraine. Scholz signalisiert damit nicht nur kurzfristige Unterstützung – denn ein Teil der deutschen Waffen wird wohl erst 2024 einsatzbereit sein. Entgegen jeder russischen Erzählung kann sich die Ukraine also nachhaltig auf Deutschland verlassen.
Leonie.Hudelmaier@ovb.net