Geständnis des Ex-Audi-Chefs

Reines Kalkül

von Redaktion

VON THOMAS MAGENHEIM-HÖRMANN

Seit 2020 wird am Landgericht um die Aufarbeitung des VW-Dieselskandals gerungen. 32 Monate lang gab sich der ehemalige Audi-Chef Rupert Stadler, intern oft als Teflon-Stadler tituliert, weil alles an ihm abzuperlen pflegte, unschuldig. Vier Monate musste der 60-Jährige in Untersuchungshaft verbringen, weil befürchtet wurde, er könnte Ermittlungen behindern und Zeugen beeinflussen. Er beteuerte eisern, von kriminellen Audi-Technikern hinters Licht geführt worden zu sein. Nun hat er gestanden. Gestanden, jahrelang gelogen zu haben.

Von Herzen und aus Reue kam das nicht. Es war rein taktischer Natur. Ohne Geständnis hätte Stadler Gefängnis ohne Bewährung gedroht. Er gestand auch nicht selbst, sondern ließ seine Anwältin sprechen. Das war insofern konsequent, als es erkennbar das Verteidigerteam war, das das Geständnis formuliert hat. Der juristische Fachjargon war darauf ausgelegt, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Erstens musste es sowohl vom Gericht als auch von der Staatsanwaltschaft anerkannt werden. Aber zweitens durfte es nicht so formuliert sein, dass es Tür und Tor für Schadenersatzklagen ermöglicht.

Immerhin hat der Ex-Audi-Chef eingeräumt, dass unter seiner Führung gut 400 000 Dieselfahrzeuge mit Betrugssoftware verkauft wurden. Daraus könnten ihm Zivilkläger theoretisch einen Strick drehen. Doch laut Geständnis hat Stadler nichts wirklich gewusst, nur billigend in Kauf genommen. Da war er wieder, der Teflon-Stadler.

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