München – Knapp fünf Monate vor der Landtagswahl am 8. Oktober blicken die Parteien im Freistaat genau auf jede Umfrage, die veröffentlicht wird. Die Schlagzahl der Erhebungen nimmt zu – aber der „Bayerntrend“, den Infratest dimap im Auftrag des Bayerischen Rundfunks erhebt, gilt den Insidern im Maximilianeum noch immer als verlässlichste Quelle. Die wichtigste Botschaft diesmal: Die Grünen haben Probleme, für CSU und Freie Wähler geht es aufwärts – allerdings liegt die CSU deutlich unter den Werten anderer Umfragen. Bis zur absoluten Mehrheit, von der zuletzt in einer anderen Umfrage die Rede war, ist es ein gutes Stück.
In Zahlen: Würde am Sonntag gewählt, käme die CSU auf 39 Prozent (plus 1 gegenüber Januar). Zum Vergleich: Bei der letzten Landtagswahl lagen die Christsozialen bei 37,2 Prozent, was ein historisch schlechtes Ergebnis und einen Absturz um 10,5 Prozentpunkte bedeutete. So richtig freuen kann sich die CSU also noch nicht, schließlich profitiert sie nur verhältnismäßig wenig vom allgemeinen Unmut über die Ampel in Berlin. Dennoch würde ein Ergebnis von 39 Prozent bequem reichen, um die Koalition mit den Freien Wählern fortzusetzen – und auch die Person Markus Söder würde parteiintern nicht infrage gestellt.
Zufriedenere Gesichter dürfte es derzeit beim kleinen Koalitionspartner geben. Hubert Aiwanger – ebenso wie Söder derzeit extrem viel im Freistaat unterwegs – kann zwölf Prozent für seine Freien Wähler verbuchen. Das ist nicht nur ein Plus im Vergleich zum Januar um zwei Punkte, sondern läge auch knapp über dem Wahlergebnis 2018 (11,6 Prozent). Aiwanger persönlich kann zudem bei den Zufriedenheitswerten drei Punkte gutmachen und liegt nun bei 48 Prozent. Besser ist nur Söder mit 55 Prozent (minus eins). Beide rangieren weit vor allen Oppositionspolitikern, von denen die Grüne Katharina Schulze mit 24 Prozent (plus 1) noch am besten abschneidet.
Dagegen kämpfen nach dem schwachen Resultat in Bremen auch die bayerischen Grünen mit dem schlechten Trend: Die Öko-Partei käme aktuell nur auf 16 Prozent – das ist ein Minus von zwei Prozentpunkten gegenüber Januar. Genau diesen Wert legt dafür die SPD zu – mit elf Prozent mal wieder zweistellig. Etwas überraschend verliert auch die AfD – gegen den Bundestrend – einen Prozentpunkt auf zwölf Prozent. Die FDP käme mit unverändert vier Prozent nicht mehr in den Landtag.
Interessant ist übrigens auch der bundesweite Vergleich bei der Zufriedenheit. Nur 28 Prozent der Deutschen sind laut „Deutschlandtrend“ mit der Ampelregierung im Bund zufrieden. Da liegt die bayerische schwarz-orange Koalition mit 51 Prozent deutlich besser. Allerdings sind die Menschen in Schleswig-Holstein (65 Prozent!), dem Saarland, Sachsen-Anhalt und Hessen zufriedener.
Auch Markus Söder schafft es in seiner Funktion als Ministerpräsident bei der Zufriedenheit mit 55 Prozent nur ins Mittelfeld. Am beliebtesten ist Daniel Günther (CDU, Schleswig-Holstein) mit 69 Prozent vor Andreas Bovenschulte (SPD, Bremen) und Anke Rehlinger (SPD, Saarland) mit je 64 sowie Stephan Weil (SPD, Niedersachsen, 63). Auch der Grüne Winfried Kretschmann in Baden-Württemberg liegt mit 57 Prozent ganz knapp vor Söder. Was den Bayern trösten wird: Mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sind nur 35 Prozent der Deutschen zufrieden. MIKE SCHIER