Essen – Ärztepräsident Klaus Reinhardt will nach seiner knappen Wiederwahl in den nächsten vier Jahren massiv Druck in der Gesundheitspolitik machen. „Wir brauchen einen echten Paradigmenwechsel“, sagte er am Donnerstag beim Deutschen Ärztetag in Essen. Die Probleme im Gesundheitswesen seien für die Gesellschaft genauso bedeutend wie die Erderwärmung. „Deshalb streite ich dafür, dass das Thema Gesundheit ebenso zukunftsweisend diskutiert wird wie das Thema Klima“, sagte er.
Die 250 Delegierten bestätigten Reinhardt für weitere vier Jahre in seinem Amt an der Spitze der Bundesärztekammer. Sie vertritt die Interessen von 550 000 Ärztinnen und Ärzten. Der 62-Jährige bekam 125 Stimmen – drei mehr als die Vorsitzende des Ärzteverbands Marburger Bund, Susanne Johna.
Von vielen Politikern werde die Tragweite der Probleme im Gesundheitswesen noch verkannt, kritisierte Reinhardt. Vor allem der Fachkräftemangel bedrohe die Versorgungssicherheit. „Was da zum Teil an Lösungsansätzen in der Politik diskutiert wird, ist abenteuerlich bis absurd.“ Reinhardt arbeitet selbst als Hausarzt in Bielefeld.