Moskau/Hiroshima – Das Schicksal der seit Monaten umkämpften Stadt Bachmut im Osten der Ukraine ist zwischen den Kriegsparteien weiter umstritten. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj widersprach Moskau, wonach die weitgehend zerstörte Stadt unter russischer Kontrolle sei. Nach einem Treffen mit US-Präsident Joe Biden am Rande des G7-Gipfels im japanischen Hiroshima sagte er: „Bachmut ist heute nicht von Russland besetzt worden.“ Zuvor hatte er selbst mit Aussagen zur militärischen Lage Verwirrung gestiftet.
Ein Reporter hatte Selenskyj gefragt, ob Bachmut noch in ukrainischer Hand sei. Die Russen hätten gesagt, dass sie die Stadt eingenommen hätten. Der ukrainische Präsident antwortete mit dem Satz: „Ich denke nicht.“ Die Ergänzung, Bachmut existiere „nur noch in unseren Herzen“, werteten viele als Eingeständnis, dass die Stadt tatsächlich gefallen sei. Interpretationshilfe gab später der Sprecher der ukrainischen Heeresgruppe Ost, Serhij Tscherewatyj: „Der Präsident hat es richtig gesagt: Die Stadt ist praktisch dem Boden gleichgemacht.“ Allerdings hielten die Verteidiger weiterhin „Befestigungsanlagen und einige Räumlichkeiten im Südwesten der Stadt“.
Russland hingegen behauptete weiter, die Stadt eingenommen zu haben. Am Samstag hatten zunächst der Chef der in Bachmut kämpfenden Söldnertruppe Wagner, Jewgeni Prigoschin, und dann auch das Verteidigungsministerium die Eroberung verkündet. Kremlchef Wladimir Putin sprach den Wagner-Truppen und der eigenen Armee Glückwünsche aus. Die russischen Streitkräfte hätten den nötigen Schutz an den Flanken garantiert. Zugleich kündigte er an: „Alle herausragenden Kämpfer werden mit staatlichen Auszeichnungen geehrt.“