Im zweiten Kapitel der Apostelgeschichte heißt es: „Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daher fährt und erfüllte das ganze Haus, in dem sie (die elf Jünger) waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten, auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt…“
Diese „Ausgießung des Heiligen Geistes“ ist die Geburtsstunde der christlichen Kirche. Deshalb feiern wir Pfingsten als Fest der Klarheit und Erkenntnis. Und bis heute gilt: Wer von diesem Geist geprägt ist, wird doch bekennen müssen, eine gewisse innere Linie für sein Leben gefunden zu haben. Die christliche Forderung ist, unsere eigenen Entscheidungen zu messen an dem Standard, den Jesus Christus durch sein Leben und Wirken gesetzt hat.
Das aber ist ein hoher Anspruch, dem wir im täglichen Leben nicht gerecht werden können. Alles, was wir tun oder nicht tun, ist mit Risiken verbunden. Unser Verstand fordert daher, dass wir mit Vernunft handeln mit Blick auf die Folgen unserer Taten.
Wir Menschen sind aber so veranlagt, dass wir Entscheidungen keineswegs nur nach der vom Verstand vorgegebenen Vernunft treffen. Vielmehr hören die meisten von uns auch auf ihre innere Stimme, das „Bauchgefühl“, mit dem wir meinen, „blitzschnell“ zu wissen, welche Entscheidung richtig ist.
Je komplexer eine Aufgabe ist, desto mehr stößt der Verstand an Grenzen. Besonders dann, wenn es viele unbekannte Faktoren gibt, kann das Bauchgefühl den richtigen Weg zeigen, besser als der Verstand.
In der Weltliteratur ist der dänische Prinz Hamlet das klassische Beispiel dafür, wie man „von des Gedankens Blässe angekränkelt“ scheitern kann, wenn man alles allein mit dem Verstand entscheiden will. Seinem Bauchgefühl hätte er folgen müssen und den ermordeten Vater rächen sollen, sobald der ihm auf der Nachtwache erschienen war.
Das Gegenbeispiel zu Hamlet ist der Philosoph Sokrates. Nach der antiken Überlieferung folgte er in allem nur seiner inneren Stimme, seinem „Daimonion“. Seit seiner Kindheit bewahrt sie ihn vor falschen Entscheidungen. Aus dem Ausbleiben der göttlichen Warnung am Tag seiner Verurteilung zum Tode folgert Sokrates, dass der Tod kein Übel sein kann. Anderenfalls hätte das Daimonion ihn gewarnt vor diesem Gericht.
Anders als ein Hamlet oder Sokrates nutzen wir normalen Sterblichen bei unseren Entscheidungen beides: den intuitiven Geist, unser Bauchgefühl, wie den rationalen Verstand. Wenn diese beiden aber in unterschiedliche Richtungen weisen, dann entstehen die Konflikte unseres Lebens. Die Vernunft sagt nein, tu das nicht, lass es sein, aber der Bauch sagt, tu es. Das Pfingstfest lässt nicht nur gläubige Christen daran denken, dass es von der Höhe des Weltengeistes aus gesehen am Ende doch nur eine einzige Wahrheit geben kann. Danach zu streben ist die beste Richtschnur auch im täglichen Leben.
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