„Ein Haufen Extremisten“: Im Kosovo flammt Gewalt auf

von Redaktion

Serben verletzen dutzende KFOR-Soldaten aus Ungarn und Italien – Moskau schiebt Schuld auf den Westen

Zvecan/Pristina – Nach Zusammenstößen mit der internationalen Kosovo-Schutztruppe KFOR haben serbische Bewohner in drei Gemeinden im Norden des Landes ihre Proteste fortgesetzt. Die Lage gilt als brenzlig. Die Schutztruppe will deshalb ihr Personal im Land verstärken. Am Montagnachmittag hatten sich militante Serben in Zvecan Straßenschlachten mit einer Einheit der Nato-geführten KFOR geliefert.

30 KFOR-Soldaten, unter ihnen 19 Ungarn und 11 Italiener, erlitten Verletzungen, darunter Knochenbrüche und Verbrennungen, wie die Schutztruppe am Dienstag in Pristina mitteilte. „Die KFOR hat (…) auf die unprovozierten Angriffe einer gewalttätigen und gefährlichen Menge reagiert“, hieß es in der Erklärung. Laut dem Krankenhaus in der nahen Stadt Mitrovica wurden 53 Serben verletzt.

Die Serben im Norden protestieren gegen den Amtsantritt neuer Bürgermeister, die aus der albanischen Volksgruppe kommen. Sie waren im Vormonat gewählt worden, wobei fast alle Serben die Gemeindewahlen boykottierten, weshalb die Wahlbeteiligung unter vier Prozent lag. Die serbischen Amtsträger in den Kommunen hatten ihre Funktionen im vergangenen November aus Protest gegen die Regierung in Pristina niedergelegt. Diese hatte damals durchzusetzen versucht, dass die Serben im Norden ihre Fahrzeuge mit kosovarischen Kennzeichen statt serbischen ausstatten.

Zu den Zusammenstößen in Zvecan kam es am Montag, als die KFOR-Truppe eine gewalttätig gewordene Menge unter Einsatz von Tränengas auflöste. Die militanten Serben bewarfen die internationalen Ordnungskräfte mit Brandsätzen, Steinen und Flaschen. Im Nord-Kosovo leben fast ausschließlich Serben, im Rest des Landes fast ausschließlich Albaner. Bereits am letzten Freitag war es in Zvecan zu Unruhen gekommen, als die kosovarische Polizei den neuen Bürgermeister ins Gemeindeamt eskortierte. Die KFOR-Truppen traten schließlich an die Stelle der Kosovo-Polizei, um die Amtsgebäude zu sichern.

Der kosovarische Ministerpräsident Albin Kurti machte Serbien für die Ausschreitungen verantwortlich. Bei den Demonstranten im Norden handle es sich zum Großteil um „einen Haufen Extremisten unter Anleitung des offiziellen Belgrads“. Russland griff seinerseits den Westen scharf an. „Wir fordern den Westen dazu auf, endlich seine trügerische Propaganda einzustellen und aufzuhören, die Schuld an den Vorfällen im Kosovo den verzweifelten Serben zuzuschieben, die versuchen, ihre legitimen Rechte und ihre Freiheit friedlich und ohne Waffen zu verteidigen“, erklärte das Außenministerium in Moskau.

Die Konflikte im Nord-Kosovo ziehen sich seit Jahren hin, seit das Kosovo, ehemals serbische Provinz, 2008 seine Unabhängigkeit erklärt hatte. Serbien hat diesen Schritt nicht anerkannt und verlangt das Land zurück. Nach einem bewaffneten Aufstand der Kosovo-Albaner und einer Nato-Intervention gegen Serbien 1999 hatte die UN-Administration Unmik das Land verwaltet. Seit 1999 hat KFOR 3800 Soldaten dort stationiert, unter ihnen knapp 70 Deutsche. Ein Bataillon – wohl etwa 700 Soldaten – soll nun zusätzlich verlegt werden.  mm/dpa/afp

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