25 Jahre EZB

Der Prügelknabe der Nation

von Redaktion

VON ANDREAS HÖSS

Die Deutschen und die Europäische Zentralbank – das war immer ein schwieriges Verhältnis. Als 2002 der Euro eingeführte wurde, galt er uns sofort als „Teuro“. Und als Mario Draghi 2011 neuer EZB-Präsident wurde, ätzte die „Bild“-Zeitung: „Mamma Mia, bei den Italienern gehört Inflation zum Leben wie Tomatensoße zur Pasta!“

Die EZB hat aus deutscher Sicht sicher nicht alles richtig gemacht. Dass sie in der Eurokrise Anleihen überschuldeter Staaten aufkaufte und so deren Schulden indirekt finanzierte, hat in der deutschen Sparnation für einen Aufschrei gesorgt. Ex-Bundesbankpräsident Jens Weidmann wurde da zum ewigen Mahner und die EZB zum Prügelknaben der Nation. Zur Wahrheit gehört aber auch: Hätte Draghi damals nicht so beherzt gehandelt, gäbe es den Euro heute wohl nicht mehr. Für die Exportnation Deutschland wäre das verheerend gewesen.

Die EZB ist also besser als ihr Ruf. Draghi hat in der Eurokrise die Scherben aufgekehrt, die Politiker verursacht haben. Und den „Teuro“ gab es sowieso nie. Auch heute hat die EZB die Inflation zwar unterschätzt – verursacht hat sie sie aber nicht. Schuld waren Russlands Angriffskrieg, die Energiepreise sowie die Folgen der Corona-Krise. Und wer weiß: Vielleicht kriegt die EZB mit ihrem vorsichtigen Kurs die Preise sogar ohne Nebeneffekte wie Pleitewellen unter Kontrolle. Die wieder niedrigeren Inflationszahlen machen immerhin etwas Hoffnung.

Andreas.Hoess@ovb.net

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