Moskau droht mit Vergeltung

von Redaktion

VON KLAUS RIMPEL

München – Ramsan Kadyrow, der Anführer der russischen Teilrepublik Tschetschenien im Nordkaukasus forderte die Verhängung des Kriegsrechts in Russland, um härter gegen die Ukraine vorzugehen: „Wir werden in der Zone der militärischen Spezialoperation bald zeigen, was Rache im ganzen Sinne des Wortes ist.“ Einmal mehr drohte er auch Westeuropa mit russischen Angriffen, Russland könne an die Türen zum Beispiel Deutschlands oder Polens klopfen.

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sieht hingegen keine Notwendigkeit für die Ausrufung des Kriegsrechts. Aber er zeigte sich besorgt über die „ziemlich alarmierende“ Lage in der russischen Grenzregion Belgorod.

US-Experten gehen davon aus, dass Putin die Drohnen-Attacken auf Moskau herunterzuspielen versuche. Zwar hatte auch der Kreml-Chef der Ukraine „Terror“ vorgeworfen und mit Reaktionen gedroht. Doch das Institut für Kriegsstudien ISW in Washington glaubt, dass Putin seine limitierten Möglichkeiten zu einem Vergeltungsschlag gegen die Ukraine verbergen wolle.

Ohne Belege habe Putin etwa behauptet, dass russische Streitkräfte vor zwei oder drei Tagen das Hauptquartier des ukrainischen Militärgeheimdienstes angegriffen hätten. Gestern verkündete der Kreml zudem, mit einem „Hochpräzisionsschlag“ das letzte große Kriegsschiff der ukrainischen Marine zerstört zu haben, die Juri Olefirenko. „Putins Betonung früherer und aktueller Raketenangriffe ist wahrscheinlich ein Versuch zu signalisieren, dass Russland bereits aktiv Vergeltungsmaßnahmen durchführt und nicht auf weitere ukrainische Provokationen reagieren muss“, schreiben die Experten.

Aber angesichts von Racherufen der Scharfmacher wie Kadyrow oder Jewgeni Prigoschin steht Putin unter Druck – nicht nur wegen der Drohnen-Attacke auf Moskau. Grenznahe russische Regionen zur Ukraine werden schon seit Längerem immer wieder mit Artillerie und Drohnen aus dem Nachbarland attackiert. Der Gouverneur des Gebiets Belgorod, Wjatscheslaw Gladkow, meldete am Dienstagabend neuen Beschuss der Region von ukrainischer Seite. Es gebe einen Toten und Verletzte. Im südrussischen Gebiet Krasnodar gingen nach Drohnenangriffen zwei Ölraffinieren in Flammen auf. Militär-Experten sehen darin Vorbereitungen auf die ukrainische Gegenoffensive in der Region.

Die ukrainische Regierung weist die Verantwortung für die Drohnen-Angriffe zurück. Der Westen ist angesichts der Attacken auf russisches Staatsgebiet gespalten: Die US-Regierung betonte, sie unterstütze keine Angriffe innerhalb Russlands. „Wir unterstützen keine Angriffe innerhalb Russlands. Punkt“, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Karine Jean-Pierre, in Washington. Dagegen hat die Ukraine nach Meinung des britischen Außenministers James Cleverly das Recht, zum Zweck der Selbstverteidigung auch Ziele auf russischem Staatsgebiet anzugreifen. „Legitime militärische Ziele außerhalb ihrer eigenen Grenze sind Teil des Selbstverteidigungsrechts der Ukraine“, sagte er.

Der russische Ex-Präsident Dmitri Medwedew erklärte Vertreter der britischen Regierung zu legitimen Zielen im Angriffskrieg gegen die Ukraine. Großbritannien führe einen „unerklärten Krieg“ gegen Russland, deshalb könnten „alle öffentlichen Vertreter (militärische wie zivile, die den Krieg unterstützen) als legitime militärische Ziele betrachtet werden“.

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