Zwischen Bauch und Kopf hatte Österreichs Sozialdemokratie eine sehr schwere Wahl zu treffen. Bauch: den parteilinken Neuling Andreas Babler zum Parteichef und Kanzlerkandidaten zu machen, sich an seinen Pur-Positionen zu wärmen und die Partei einmal schwungvoll aufmischen zu lassen. Kopf: den Hardliner-Landeshauptmann Hans Peter Doskozil auszusuchen, der mit seiner harten Migrationspolitik aneckt. Die Entscheidung für Kopf und Doskozil war knapp. Und richtig.
Doskozil kann Wahlen gewinnen, er regiert das Burgenland mit absoluter (!) SPÖ-Mehrheit. Der 52-Jährige ist Realpolitiker, nicht Träumer. Seine restriktive Flüchtlingspolitik ist sachlich angebracht, aber auch politisch, weil sonst die Wählerflucht nach rechts und ultrarechts ungebremst weitergeht. Der Ex-Verteidigungsminister ist einer jener europäischen Sozialdemokraten, die in geschützten Grenzen und gesteuerter Zuwanderung eine Grundlage und nicht den Widerspruch eines funktionierenden, fairen Sozialstaats sehen. Eine Lernkurve, die schon die Sozialdemokratie in Nordeuropa absolviert hat und auf der die SPD in Gestalt von Bundesinnenministerin Nancy Faeser sich langsam entlangrobbt. Wenn Doskozil damit den SPÖ-Romantikern grob missfällt, aber seine Partei für die „kleinen Leut’“ wieder wählbar macht, wird er 2024 ein spannender Kanzlerkandidat.
Christian.Deutschlaender@ovb.net