Vatikanstadt – Das Kardinalskollegium schrumpft. Erst im vergangenen August hatte Franziskus 20 – im kirchlichen Sinne – zumeist jüngeren Männer den besonderen Titel verliehen. Neben Ehre und Titelkirche in Rom oder Umgebung haben die Männer eine zentrale Aufgabe: Sie wählen den neuen Papst.
Zwei wichtige Zahlen gibt es in diesem Kontext: 80 und 120. Erstere gilt für das Alter der wahlberechtigten Kardinäle. Diese dürfen das 80. Lebensjahr zum Zeitpunkt des Todes oder Rücktritts des Papstes nicht vollendet haben. 120 ist die Höchstzahl der Kardinäle, die ihre Stimme für das neue katholische Kirchenoberhaupt abgeben dürfen. Papst Paul VI. (1963 – 1978) legte diese Zahl 1975 fest, Johannes Paul II. (1978 – 2005) bestätigte sie 1996.
Dass die rund 120 Purpurträger von allen Teilen der Erde und von den verschiedensten Kulturen kommen können, hat sich der aktuelle Papst Franziskus offenbar besonders zu Herzen genommen. Schon seit Pius XII. (1939 – 1958) ist das Kardinalskollegium immer internationaler geworden, der aktuelle lateinamerikanische Papst rückt obendrein weiter von Europa und alten Gebräuchen ab. Bischofssitze oder Kurienämter, die bislang automatisch mit dem Titel verbunden waren, gibt es so nicht mehr. Stattdessen stammen etliche Würdenträger nun aus Ländern, die nie zuvor einen Kardinal in ihren Reihen hatten: etwa aus Osttimor, der Mongolei, Myanmar oder von den Antillen.
Von den zurzeit lebenden 222 Kardinälen sind 110 von Franziskus ernannt worden. 112 haben die Ehre seinen beiden Vorgängern zu verdanken. Doch trotz aller Ernennungen ist die Zahl der 120 Wähler nicht einfach zu halten. Zum einen ist nicht jeder neu ernannte Kardinal qualifiziert, denn auch über 80-Jährige bekommen den Ehrentitel verliehen. Zum anderen überschreitet das Alter bei Ernennungen häufig das weltliche Renteneintrittsalter. Todesfälle sorgen also immer wieder dafür, dass der Kreis kleiner wird.
Laut Kirchenrecht darf der Papst frei entscheiden, wem er den Titel verleiht. Voraussetzung ist die Priesterweihe, außerdem muss sich der Kandidat in „Glaube, Sitte, Frömmigkeit sowie Klugheit in Verwaltungsangelegenheiten“ auszeichnen. Wer noch nicht Bischof ist, muss die Bischofsweihe empfangen. Bei Letzterer liegt das Mindestalter bei 35 Jahren.
Der jüngste Kardinal Giorgio Marengo wird in den nächsten Tagen 49 Jahre alt. Seinen Titel hat er seit vergangenem Jahr. Insgesamt dürften von den aktuell 222 Eminenzen 121 einen neuen Papst wählen. Aber sieben Kardinäle vollenden bis Jahresende ihr 80. Lebensjahr. Hinzu kommen können auch unglückliche Fälle, wie der des Kardinals aus Ghana 2022. Einen Tag vor der offiziellen Überreichung des roten Biretts erlitt Richard Kuuia Baawobr (63) in Rom eine Herzattacke.
Es dürfte für den Papst also wieder an der Zeit sein, sich Gedanken um Papstwähler zu machen. Traditionell sind die Wochenenden um das Hochfest Peter und Paul am 29. Juni beliebter Anlass, derlei Personalien zu verkünden. Franziskus selbst wurde übrigens nur in einem Konklave von 115 Kardinälen gewählt.
SEVERINA BARTONITSCHEK