Fronleichnam heißt nicht umsonst in Bayern Prangertag. Prangen bedeutet Schmücken – und an Fronleichnam bietet die katholische Kirche in ihren Prozessionen alles an barocker Pracht auf, was sie zu bieten hat: Fahnenabordnungen, Statuen, Blumen, jede Menge Weihrauch, eine Hostie in kostbarer Monstranz und Priester in goldbestickten Gewändern.
Ist das noch zeitgemäß angesichts der schwierigen Lage, in die die Kirche seit Jahren immer stärker hinein stürzt? Dass die Gemeinden öffentlich Präsenz zeigen, indem sie die geweihte Hostie durch die Straßen tragen, ist eine wichtige „Demonstration“ des Glaubens. Das Brauchtum um diesen katholischen Feiertag ist auch ein Bekenntnis zur Tradition – gerade in Oberbayern. Man denke nur an die eindrucksvollen Prozessionen in München oder auf dem Staffelsee. Dieses Glaubensbekenntnis muss aber zu einer dringend notwendigen Rückbesinnung führen. Dass die Kirche politisch und gesellschaftlich immer mehr an Bedeutung verliert, darf man nicht nur beklagen. Statt sich in innere Zirkel zurückzuziehen, muss man das als Ansporn begreifen und moderne Formen des Glaubenslebens entwickeln. Glauben und Brauchtum müssen lebendig gelebt werden, damit sie nicht zur Folklore verkommen und verloren gehen.
Claudia.Moellers@ovb.net