Potsdam – Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in freundschaftlicher Atmosphäre in seinem Wohnort Potsdam zum Abendessen getroffen. Es war das erste Mal in seiner Regierungszeit, dass er einen Staats- oder Regierungschef in der Brandenburger Landeshauptstadt empfing.
Beide gingen am Dienstag nicht nur gemeinsam essen. Scholz zeigte Macron bei einem Spaziergang von mehr als einer halben Stunde das Zentrum Potsdams. Sie trafen sich am Alten Markt, setzten sich draußen ins Café des Museums Barberini und gingen auch über die Freundschaftsinsel, einen nahen Park. Mehr als 50 Menschen standen am Neuen Markt und beobachteten Scholz und Macron, als sie abends ins Restaurant „Kochzimmer“ gingen.
Das Treffen war auch deshalb bedeutsam, weil der Kanzler und der Präsident nach dem Regierungswechsel in Berlin im Dezember 2021 zunächst keinen guten Start hatten. Die Beziehungen waren nicht einfach.
Das Essen in Potsdam dauerte fast drei Stunden – deutlich länger als geplant. Ganz unter vier Augen war es aber nicht: Die Delegationen beider Länder waren auch dabei, Scholz und Macron saßen jedoch an einem separaten Tisch. Als wahrscheinlich galt, dass beide über den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sprachen, aber auch über europäische Themen wie die Vorschläge der EU-Kommission für eine Reform der Schuldenregeln – ein besonders kontroverses Thema zwischen Deutschland und Frankreich. Macron und Scholz hatten sich erst in der vergangenen Woche beim Europa-Gipfel in Moldau gesehen, bei dem sie einen gemeinsamen Vermittlungsversuch im Konflikt in Nord-Kosovo starteten.
Im vergangenen Jahr hatte es in den deutsch-französischen Beziehungen geknirscht. Eine gemeinsame Kabinettssitzung musste im Herbst wegen zu großer Differenzen verschoben werden. Beim 60. Jubiläum des Élysée-Vertrags über die deutsch-französische Freundschaft im Januar versuchten beide Seiten die Kurve zu bekommen. Der gemeinsame Ministerrat wurde nachgeholt.
Scholz und Macron ließen die Feierlichkeiten damals mit einem Abendessen im Lieblingsrestaurant des französischen Präsidenten, der Brasserie „La Rotonde“ im Stadtteil Montparnasse, ausklingen. Jetzt ist Macron wohl der berühmteste Stammgast, was dem „La Rotonde“ auch Ärger einbringt. Anfang April wurde das Restaurant zum zweiten Mal Ziel eines Brandanschlags. Aufgebrachte Demonstranten legten bei einer Kundgebung gegen Macrons Rentenreform Feuer, eine Markise geriet in Brand.