Desaster 2. Stammstrecke

Ungeklärte Schuldfrage

von Redaktion

VON DIRK WALTER

Wunder, oh Wunder: Die Landtags-Opposition glorifiziert eine CSU-Politikerin. Und es stimmt ja auch: Die bei Markus Söder in Ungnade gefallene CSU-Abgeordnete Kerstin Schreyer hat in ihrer Zeit als Verkehrsministerin frühzeitig intern Alarm geschlagen, weil Kosten und Zeitplan bei der 2. Stammstrecke aus dem Ruder liefen. Zur Stilisierung als Jeanne d’Arc, als mutige Heldin, eignet sich Schreyer allerdings auch wieder nicht. Denn ihre mutige Phase war 2020. Als sie nicht durchdrang, resignierte sie. Das war 2021. Hauptschuldige bei dem Desaster ist sie aber natürlich nicht. Stand jetzt verschwimmt die Verantwortung für das Stammstrecken-Desaster in einem Bermuda-Dreieck, das von Staatskanzlei, Bundesverkehrsministerium und Deutsche Bahn gebildet wird. Man weiß nicht, ob man daraus einen Hauptverantwortlichen destillieren kann – und schon gar nicht, ob dies, wie von der Opposition gewünscht, Söder sein wird. Es ist absehbar, dass der Regierungschef bei seiner anstehenden Zeugenvernehmung die Hauptschuld für das Desaster bei der Bahn abladen wird.

So wichtig Aufklärung im Nachhinein ist, so wichtig wäre Prävention: Denn beim Bau der 2. Stammstrecke zeichnen sich neue bautechnische Probleme ab. Ganz zu schweigen von aktuellen Miseren – siehe Werdenfelsbahn, siehe Verzögerung beim Stellwerksbau am Ostbahnhof. Eigentlich bräuchte die ganze Deutsche Bahn im Freistaat einen permanent tagenden Untersuchungsausschuss.

Dirk.Walter@ovb.net

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