WIE ICH ES SEHE

Im Illusionstheater der Heizungswende

von Redaktion

Deutschland möchte vorbildlich sein für die Welt und bei der Rettung vor einer Klimakatastrophe vorangehen. Das ist ehrenwert, auch wenn der Anteil unseres Landes am weltweiten Ausstoß von CO2 nur zwei Prozent beträgt. Nur leider hat die Ampel-Regierung sich entschieden, dazu nicht den Weg der Freiheit zu gehen, bei dem der Staat nur bestimmte Rahmenbedingungen festlegt. Wie schon in anderen Lebensbereichen hat sich Berlin auch hier dagegen für den Weg der Bevormundung des Bürgers bis in den privatesten Bereich entschieden. So haben wir einen „Wirtschaftsminister“ Habeck für Heizungen, Windräder, Gebäudedämmung, Wirtschaftsplanung, aber nicht wirklich für erfolgreiches Wirtschaften.

Jetzt wird im Bundestag über das Heizungsgesetz debattiert, obwohl dessen endgültiger Text den Abgeordneten noch gar nicht vorliegt. Immerhin soll es neu gewendet werden, indem den Kommunen nun die Planung von Fernheizsystemen auferlegt wird. Werden dadurch weniger Kosten entstehen? Nein! Die Kosten werden nur durch die „Mühle der Bürokratie“ gedreht, bevor sie beim Endverbraucher oder beim Steuerzahler ankommen.

Werden die Kommunen die Versorgung mit umweltfreundlicher Energie und deren Verteilung im Großen besser regeln und organisieren können, als jeder Privatmann das für seinen eigenen Wohnbereich tun kann? In besonderen Fällen kann das sein. Aber insgesamt gibt es daran doch große Zweifel. Dort, wo es passt, sind Fernheizsysteme bereits vorhanden. Aber auch die können sich bisher keineswegs auf Wind und Sonne als grundlastfähige Energieträger verlassen. Deren Heizkraft kommt von norwegischem Gas und den wieder in Betrieb genommenen Braun- und Steinkohlekraftwerken.

Peinlich an unserer eingebildeten Vorreiter-Rolle ist, dass unser Führungsanspruch nicht einmal bei uns zu Hause funktioniert. Nach über zehn Jahren Energiewende haben wir es dahin gebracht, dass die deutschen Strompreise zu den höchsten der Welt gehören. Der Ausbau der Stromnetze stockt, der an der Küste erzeugte Windstrom ist weder speicherbar, noch kann er entsprechend von Nord nach Süd transportiert werden, wo die großen Verbraucherzentren sind. Tatsache ist, dass wieder alte Braun- und Steinkohlekraftwerke ans Netz mussten. Tatsache ist auch, dass wir uns durch den Atomausstieg von CO2-freier Energie verabschiedet haben.

Nun verkündet aber nicht nur Minister Habeck, sondern die ganze Ampel-Regierung das neue „Deutschlandtempo“. Das konnte man aber bisher allenfalls an der zügigen Errichtung eines Terminals für die Anlandung von Flüssiggas konkret festmachen. Immerhin, aber ansonsten scheitern alle unsere „Wenden“, ob Energiewende oder Wärmewende, bereits an den ersten Hürden der Bürokratie. Die leidet nicht nur unter Personalmangel trotz immer weiterer Aufblähung der Behördenapparate. In der Industrie ist in der Zukunft derjenige der tüchtigste Unternehmer, der es versteht, durch geschickte Lobbyarbeit möglichst viel der üppig sprudelnden Subventionen auf seine Mühlen zu lenken. Es entsteht ein verhängnisvoller Beziehungskapitalismus. Lenkungsgesetze breiten sich aus wie Öl auf Löschpapier. Aber ein Staat, der immer mehr vorschreibt, wie wir zu leben haben, überfordert seine Bürger und sich selbst.

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VON DIRK IPPEN

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