Schonendes Gendern

Vorbild Österreich

von Redaktion

VON MARC BEYER

Man kann vom Gendern halten, was man will, aber es erweitert den Horizont. So hat es erst die Debatte um korrekte Sprache gebraucht, damit die Menschen von der Existenz des „Glottisschlags“ erfuhren. Dieses Wortungetüm – die kurze Pause vor der weiblichen Endung („Bürger_Innen“) – empfinden viele Menschen als sprachliche Zumutung. Offensichtlich auch beim ORF.

In Österreich wird künftig schonender gegendert. Weniger Glottisschlag, mehr weibliche und männliche Form. Das könnte genau der richtige Ansatzpunkt sein, um der unendlichen Debatte das Gift zu entziehen. Was die Menschen am Gendern so verärgert, ist ja nicht die rhetorische Gleichberechtigung der Geschlechter, sondern die sprachliche Verhunzung. Ärzt_Innen sind in der Tat verbaler Unfug, egal ob geschrieben oder gesprochen.

In der Schriftform lauern auch weiterhin viele Grausamkeiten – Binnen-I, Unterstrich, Sternchen –, doch zumindest das Ende des Glottisschlags wäre auch hierzulande ein Schritt, der sich lohnen und dem Gendern seinen Schrecken nehmen könnte. Mann und Frau gleichermaßen zu erwähnen, ist nicht nur deshalb jedem zumutbar, weil sich niemand verrenken muss. Es ist den Menschen auch vertraut. Die Formulierung „Liebe Freundinnen und Freunde“ etwa hört man seit Jahren hundertfach auf jedem Parteitag. Inzwischen sogar bei jenen Politikern, die das Gendern noch immer in flammenden Reden verdammen.

Marc.Beyer@ovb.net

Artikel 1 von 11