Ukraine greift wichtige Krim-Brücke an

von Redaktion

Regierungschef Schmyhal spricht von bedeutenden Fortschritten an der Front – Wagner-Chef: Putin wird belogen

Kiew/Moskau – Die ukrainische Armee hat nach Angaben der russischen Besatzungsmacht eine wichtige Brücke zur Halbinsel Krim schwer beschädigt. Die Tschonhar-Brücke, die die Krim mit dem Festlandgebiet Cherson verbindet, sei auf Wochen hinaus nicht mehr zu benutzen, schrieb der örtliche Besatzungschef Wladimir Saldo auf Telegram. In Aufnahmen waren Krater und zumindest ein Loch zu erkennen.

Bei dem Angriff setzten die Ukrainer nach Angaben von Besatzungschef Saldo Marschflugkörper vom Typ Storm Shadow ein. Großbritannien hat der Ukraine solche Raketen mit mehr als 250 Kilometern Reichweite zur Verfügung gestellt. Die Tschonhar-Brücke ist eine von drei Anfahrtsrouten von der Krim ins ebenfalls zu Teilen okkupierte Gebiet Cherson. Die Halbinsel ist zudem über die Kertsch-Brücke mit dem russischen Festland verbunden. Sie wurde im Herbst bei einem Angriff beschädigt.

Unterdessen hat der Chef der Privatarmee Wagner, Jewgeni Prigoschin, Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu und Generalstabschef Waleri Gerassimow vorgeworfen, Präsident Wladimir Putin „Blödsinn“ aufzutischen – in der Hoffnung, dass solche „Lügen“ nur schrecklich genug sein müssten, damit Putin sie glaube. Die ukrainischen Streitkräfte hätten erhebliche Erfolge erzielt. Prigoschin kann sich nach Einschätzung von Beobachtern solche Kritik leisten, weil er als Vertrauter Putins gilt. Andere Russen müssten dafür wahrscheinlich in Haft.

„Das sind große Gebiete, die wir verloren haben“, sagte Prigoschin in einer Sprachnachricht auf Telegram. Auch die Verluste in den russischen Reihen seien groß. „Kolossale Probleme“ würden verheimlicht. Der Chef der Söldnertruppe forderte einmal mehr eine Mobilmachung, um eine russische Niederlage zu verhindern.

Dagegen berichtete die Armeeführung über angeblich massenhaft Tote und vernichtete Technik auf ukrainischer Seite. Schoigu sagte bei einem Treffen mit Putin, das Tempo von Kiews Gegenoffensive habe sich nach 16 Tagen verlangsamt. Auf eine Nachfrage Putins zu Risiken für die eigenen Streitkräfte durch Waffenlieferungen aus dem Westen sagte Schoigu: „Wir sehen hier nicht irgendwelche Bedrohungen – auch, weil bei uns eine Formierung von Reserven läuft.“. Bis Monatsende werde eine „Reservearmee“ mit über 3000 Einheiten von Kampftechnik aufgestellt.

Nach Worten des ukrainischen Regierungschefs Denys Schmyhal haben die ukrainischen Truppen inzwischen acht Dörfer und 113 Quadratkilometer besetzten Gebiets befreit. „Das ist ein riesiges Territorium“, sagte er. 113 Quadratkilometer entsprechen allerdings nur knapp dem Stadtgebiet der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt Kiel.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Russland erneut vor, im besetzten Atomkraftwerk Saporischschja einen „Terrorakt“ zu planen. „Sie haben dafür alles vorbereitet“, sagte er in einem Video. Zugleich warnte Selenskyj, dass ein solcher Angriff auf Europas größtes AKW Folgen weit über die Ukraine hinaus haben könnte. „Radioaktivität kennt keine Grenzen.“

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