Europa will unabhängiger werden von China. Doch schon die ersten kleinen Nadelstiche, mit denen Peking sich für US- und EU-Exportverbote rächt, zeigen, wer in diesem Spiel derzeit der Stärkere ist: Pekings Machthaber kontrollieren ab August, wer künftig noch die für die Chip-Herstellung wichtigen Rohstoffe Gallium und Germanium bekommen soll. Klar ist da: Wer Peking ärgert, wird künftig leer ausgehen.
Schon 2019 hatten chinesische Staatsmedien ganz offen damit gedroht, die Quasi-Monopole bei Seltenen Erden und anderen für die Energiewende zentralen Rohstoffen als Druckmittel in internationalen Konflikten zu nutzen. Jetzt, da die EU und die USA die Strategie ausgerufen haben, sich aus der fatalen Rohstoff-Abhängigkeit von China zu lösen, macht Peking ernst und zeigt: Wir sitzen noch am längeren Hebel.
Denn auch westliche Experten räumen ein, dass es noch gut zehn Jahre dauern wird, bis man sich aus Chinas Rohstofflieferketten herauswinden kann. Diese Loslösung wird nicht nur sündteuer – siehe die Milliarden-Subvention für die Intel-Chipfabrik in Brandenburg. Sie wird auch gefährlich, denn Peking weiß, dass es in der Taiwan-Frage schnell handeln muss. Denn noch kann China das fein gesponnene Abhängigkeits-Netz, in dem die deutsche, aber auch die US-Industrie gefangen sind, als Schutzschild nutzen.
Klaus.Rimpel@ovb.net