München – Auf den Bierdeckeln steht: „Klima ist wie Bier: Zu warm ist es Mist.“ Wahlkampf in Bayern funktioniert zuweilen etwas anders als in den übrigen Bundesländern. Bislang kam die inhaltliche Debatte über den Freistaat eher schleppend in Gang – doch allmählich setzen die Parteien, kurz vor den Sommerferien, zum Zwischensprint an. Markus Söder (Maischberger) und Hubert Aiwanger (Lanz) sitzen vor Millionenpublikum in den großen TV-Shows. Die Grünen dagegen sitzen im Biergarten. Im Schatten der Münchner Muffathalle, direkt an der Isar, präsentieren die beiden Spitzenkandidaten Katharina Schulze und Ludwig Hartmann die Plakate für den Urnengang am 8. Oktober.
Die Ausgangslage war schon mal besser. Schulze spricht zwar vom dringend benötigten „frischen Wind“ für Bayern, sie räumt aber ein, dass es in Berlin derzeit Gegenwind gebe. „Aber ich vergleiche das immer mit dem Radeln“, sagt die 38-Jährige fröhlich. Wer schnell vorankommen wolle, der wisse, dass ihm der Wind ins Gesicht blase. „A sind wir Grüne Kämpfen gewöhnt und B wissen wir, wofür wir es tun.“ Man wolle eine grüne Handschrift für Bayern. Man wolle regieren, sagt Schulze sogar. Dass CSU-Chef Markus Söder ein Bündnis mit ihrer Partei final ausgeschlossen hat und ansonsten Mehrheiten für die Ökopartei meilenweit entfernt liegen, lässt die Münchnerin dabei großzügig außer Acht.
Vier Themen will die Ökopartei in den Mittelpunkt ihres Wahlkampfs rücken, die sich auch auf den neuen Plakaten wiederfinden. Natürlich geht es dabei um die Themen Klima und nachhaltige Energieversorgung. Während die CSU bis 2030 zwei Prozent der Flächen als Vorranggebiete für Winderenergie ausweisen wolle, planen dies die Grünen bereits bis Ende 2024, sagt Ludwig Hartmann (44). In der Politik gebe es zu oft Entscheidungen, die dann die künftige Generation bezahlen müsse. Bei der Energie wolle man das umdrehen: „Wir schaffen jetzt ein sauberes, sicheres und unabhängiges Energiesystem, das wir dann mit gutem Gewissen, Freude und Stolz unseren Kindern übergeben können.“
Kinder und Chancengerechtigkeit sowie die bessere Bezahlung in Berufen, die vor allem von Frauen ausgeübt werden, sind eigene Schwerpunkte der Kampagne. „Es kann doch nicht sein, dass es in einer der wohlhabendsten Regionen der Welt noch immer vom Geldbeutel der Eltern abhängt, welche Bildungschancen die Kinder haben“, sagt Hartmann. Am Spielplatz, so berichtet es der junge Familienvater, höre er immer wieder die Klage von Müttern, dass sich die Betreuungssituation mit dem Wechsel vom Kindergarten an die Grundschule dramatisch verschlechtere. Hier müsse die Landespolitik rasch nachbessern. MIKE SCHIER