Die letzte Generation der SPD

von Redaktion

VON MIKE SCHIER

München – Am Ende geht es ums Foto: Renate Schmidt, Christian Ude und Franz Maget posieren vor ihren – historischen – Wahlplakaten. „Bei der CSU würden Sie ein so einträchtiges Foto der Ehemaligen niemals bekommen“, scherzt der Münchner Alt-OB Christian Ude. Die Laune ist gut, besser als die grundsätzliche Stimmung. Die Ehemaligen der SPD treibt nämlich tiefe Sorge um. Vor allem um den Zustand der Demokratie und die Verrohung des Tons. Drei Monate vor der Landtagswahl suchen sie, die das Rampenlicht heute meist meiden, den öffentlichen Auftritt. Gemeinsam haben sie einen Aufruf verfasst.

Es ist eine bunte Truppe, die sich da am Freitagmorgen in der SPD-Zentrale am Münchner Oberanger versammelt hat: die ehemaligen OBs von Aschaffenburg, Coburg und Memmingen. Auch die ehemalige Münchner Bürgermeisterin Gertraud Burkert. In Nürnberg gibt es am Nachmittag noch ein zweites Treffen, zu dem auch der dortige Ex-OB Ulrich Maly stößt. Nur den aktuellen Spitzenkandidaten Florian von Brunn sucht man vergebens.

„Wir sind gemeinsam der Meinung, dass wir uns einmischen sollten“, beginnt Ude, der mit Renate Schmidt die Idee zu der Aktion hatte. Es geht ihnen natürlich auch um die SPD. Aber keineswegs nur. Vor allem treibt die älteren Damen und Herren, die gemeinsam auf 30 Enkel kommen, der Aufstieg der AfD um. „Das darf nicht sein“, sagt Ude. „Das hieße, die schlimmsten Fehler der deutschen Geschichte sehenden Auges zu wiederholen.“ Sie wollen sich deshalb einmischen, haben diesen dreiseitigen Aufruf verfasst, für den sie nun weitere Unterstützer finden wollen. Und sie wollen auch im Wahlkampf aktiv mitmischen.

Ude will die AfD nicht dämonisieren – sondern inhaltlich stellen. Es sei „glatter Unsinn“, dass die AfD an der Seite kleiner Leute oder deutscher Durchschnittsverdiener stehe. Das Wahlprogramm sei neoliberal. „Da wird vielen sozialen Einrichtungen der Kampf angesagt.“ Darüber müsse man aufklären statt die Partei nur zu beschimpfen. Genauso sei es mit der Außenpolitik – gegen Nato und EU. „Diese Partei hat auf Putin keine andere Antwort als: Lasst ihn doch machen“, sagt Ude.

Es ist nicht so, dass die Ehemaligen an ihrer eigenen Partei nichts zu bekritteln hätten. Gerade Ude selbst hat aus seinem Herzen nie eine Mördergrube gemacht. Auffällig am Freitag ist, dass zwar das Wahlprogramm gepriesen, der aktuelle Spitzenkandidat von Brunn aber nur mit einem Nebensatz erwähnt wird. Und dann ist da noch die Arbeit der Bundesregierung. Die eher vorsichtige Strategie der SPD in der Außenpolitik fänden sogar ehemalige CSU-Kollegen gut, sagt Franz Maget. Trotzdem gebe es zu viele Fehler. „Dass das in Berlin nicht rund läuft, bekommen sogar wir alten Leute mit“, sagt Maget mit feiner Ironie. Die Streiterei nervt alle, aber die Richtung sei trotzdem richtig. Nur: „Man macht es der Opposition zu leicht“, sagt Maget.

Die SPD habe in Fragen des sozialen Ausgleichs viel erreicht, sagt Renate Schmidt. Leider werde das aber zu wenig wahrgenommen. „Natürlich würde ich mir an manchen Tagen wünschen, dass Olaf Scholz ein wenig mehr Helmut Schmidt’sches Temperament hätte.“ Aber wichtiger sei einer, der vernünftige Politik macht, als einer, „der dauernd ein Lautsprecher ist“, sagt sie mit Blick auf Markus Söder. Der bekomme in Sachen Klimaschutz in Bayern beispielsweise gar nichts gebacken.

Mit Opposition kennen sich die Damen und Herren der BayernSPD aus. Deshalb stört sie auch so die aktuelle Opposition im Bund. „Dass die Regierenden den Arsch offen hätten – das habe ich nie gesagt. Mir wäre im Traum nicht eingefallen, mich derart zu vergreifen: im Ton, in der Sprache und in der Sache“, sagt Maget. Genauso schlimm seien die Fake News. Am meisten geärgert habe er sich über das gemeinsame Foto von Söder und Friedrich Merz beim Grillen.. „Da wird suggeriert, dass die Bratwurst abgeschafft wird“, klagt Maget. Das trage zur „Entkernung des demokratischen Miteinanders“ bei.

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