Streumunition, das bedeutet nicht nur eine unberechenbare Gefahr für Soldaten und Zivilisten, sondern auch fortdauernden Krieg nach dem Krieg: In Laos wurden seit Beendigung des Vietnamkriegs 1973 mehr als 20 000 Menschen durch Blindgänger von Streubomben getötet, ein Viertel der Opfer sind Kinder. Allein diese Erfahrungen sollten die USA und die Ukraine davon abhalten, Streubomben einzusetzen: Wenn Kiew sein Ziel der Rück- eroberung der von Russland besetzten Gebiete wirklich erreicht, werden die Hinterlassenschaften dieser Art der Kriegsführung noch jahrzehntelang eine tödliche Gefahr für die eigene Bevölkerung darstellen. Diese Munition auf eigenem Territorium einzusetzen, ist also nicht nur unmoralisch, sondern auch dumm.
Aber selbst wenn US-Militärs beteuern, dass ihre moderne Streumunition eine „niedrigere Blindgängerrate“ habe: Die wichtigste Waffe der Ukraine ist die moralische Überlegenheit, und die darf nicht durch die Verwendung völkerrechtlich geächteter Waffen infrage gestellt werden. Natürlich ist es schwierig, sich „sauber“ gegen einen Aggressor zu wehren, der auf das Völkerrecht pfeift. Der Westen darf daher in seiner Hilfe für Kiew nicht nachlassen. Aber wir unterstützen Kiew auch, damit die Ukraine nicht auf Putins Niveau herabsinkt.
Klaus.Rimpel@ovb.net