Gießen – Bei Ausschreitungen am Rande des umstrittenen Eritrea-Festivals in Gießen sind 26 Polizisten verletzt worden. Sieben der Beamten hätten schwerere Verletzungen wie einen Knochenbruch, offene Schürfwunden und Bänderrisse erlitten, hieß es am Sonntagabend. Der Grund: Gegner der Veranstaltung attackierten am Samstag Beamte mit Stein- und Flaschenwürfen und zündeten Rauchbomben. Sie durchbrachen Absperrungen des Festivalgeländes. Die Polizisten setzten Pfefferspray und Schlagstöcke ein. Auch in der Stadt kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei.
Veranstalter des zweifelhaften Festivals ist der Zentralrat der Eritreer in Deutschland, der wegen seiner Nähe zu dem Regime in dem Land am Horn von Afrika als umstritten gilt. In Eritrea regiert Präsident Isayas Afewerki in einer Ein-Parteien-Diktatur das Land. Meinungs- und Pressefreiheit sind demoliert. Menschenrechtsorganisationen haben wiederholt von schweren Missständen berichtet. Schon 2022 war es bei dem Festival, das die diktatorische Regierung feiert, zu Gewalt mit verletzten Besuchern und Polizisten gekommen.
Die Stadt Gießen versuchte heuer vergeblich, gerichtlich ein Verbot des Festivals durchzusetzen. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof erlaubte das Festival trotz der drohenden Gefahr – vor Ort sorgt das für Unverständnis. Am Samstag waren mehr als 1000 Polizisten in Gießen im Einsatz, später wurden weitere Kräfte alarmiert. Die sieben schwerer verletzten Beamten hatten am Sonntag das Krankenhaus bereits wieder verlassen, sagte ein Polizeisprecher.
„Die Bilder, die aus unserer Stadt am Wochenende durch die Welt gingen, sind unerträglich“, schimpfte OB Frank-Tilo Becher (SPD). Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) verurteilte die Gewalt. Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) forderte die Bundesregierung auf, den Botschafter des Landes einzubestellen. „Der eritreischen Regierung muss deutlich gemacht werden, dass eritreische Konflikte nicht auf deutschem Boden ausgetragen werden dürfen“, sagte er. Die Polizei sei „nicht der Prellbock für Konflikte von Drittstaaten“. Der AfD-Abgeordnete Stephan Brandner kritisierte, dass das Festival stattfinden dürfe. „Die Diktatur möge sich selbst in Eritrea feiern. So etwas hat in unserem Land nichts verloren.“
Nach Polizeiangaben wurden 125 Strafanzeigen erstattet. Dabei sei es fast ausschließlich um Landfriedensbruch gegangen. 131 Personen seien in Gewahrsam genommen worden.
Die Landtags-SPD, deren Spitzenkandidatin Faeser ist, sprach sich dafür aus, nicht nur das Sicherheitskonzept, sondern den Fortbestand des Festivals insgesamt kritisch zu hinterfragen. Es stelle sich die Frage, ob die als „Familienfest“ deklarierte Veranstaltung noch einmal stattfinden könne. mm/dpa