Vor dem Nato-Gipfel

Schlechte Ideen aus Übersee

von Redaktion

VON MIKE SCHIER

Das schönste Kompliment für die eigene Arbeit ist es wohl, wenn einen alle anflehen, noch ein wenig länger im Amt zu bleiben: Als sich Jens Stoltenberg vergangene Woche dazu bereit erklärte, entgegen anderer persönlicher Pläne und zum wiederholten Male doch noch ein Jahr als Nato-Generalsekretär dranzuhängen, ging ein Seufzer der Erleichterung durch das Verteidigungsbündnis. Es drängte sich schlicht niemand auf, dem alle Beteiligten die Führung zutrauten – erst recht nicht in einer so heiklen Lage, die den Spagat beinhaltet, die Ukraine zu unterstützen, ohne dass die Nato zur Kriegspartei zu wird.

Doch damit ist die Debatte nur vertagt. Für ein Jahr hat Stoltenberg verlängert – das heißt, dass der schwierige Posten nun unmittelbar vor der nächsten US-Präsidentschaftswahl neu besetzt werden muss. Leichter macht das die Sache nicht. Absehen sollte man deshalb von Schönwetter-Überlegungen, es sollte jetzt dringend mal eine Frau das Bündnis führen. Viel, viel wichtiger ist, überhaupt jemanden (m/w/d) zu finden, auf den sich alle einigen könnten – von Ankara bis Washington.

Dort soll man angeblich Ursula von der Leyen ins Auge gefasst haben. Vielleicht hat man jenseits des Atlantiks nicht mitbekommen, wie groß in Deutschland die Erleichterung in der Truppe war, als die CDU-Politikerin ihr Ministeramt verließ. Dabei ging es gar nicht so sehr um Skandale und Skandälchen wie Beraterverträge oder das Segelschulschiff Gorch Fock. Nein, das Kernproblem war der schlechte Zustand der Armee. Von der Leyen hat nichts dazu beigetragen, die Bundeswehr kampffähig zu machen. Und jetzt soll sie die Nato lenken? Bitte nicht.

Mike.Schier@ovb.net

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