Ein Wirtschaftsexperte wird Merz’ rechte Hand

von Redaktion

Paukenschlag bei der CDU: Carsten Linnemann ersetzt Mario Czaja als Generalsekretär

Berlin/München – Er soll die CDU wieder zur starken Wirtschaftspartei formen: Carsten Linnemann wird die neue rechte Hand von CDU-Chef Friedrich Merz. Der Paderborner gilt als jemand, der den Mittelstand stets in den Fokus seiner politischen Agenda rückt, eine Jobpflicht für Arbeitslose fordert und zu dessen größten Vorbildern der ehemalige Kanzler Ludwig Erhard gehört, Vater der sozialen Marktwirtschaft. Nun soll er Mario Czaja als Generalsekretär ersetzen.

Czaja, früherer Berliner Gesundheitssenator, war schon immer ein eher umstrittener Parteikollege, der auch hin und wieder mit der Linkspartei flirtete und eine kumpelhafte Beziehung zu Gregor Gysi pflegte. Merz’ Hoffnung, dass Czajas Außenseiter-Status der CDU neuen Glanz verleiht, hat sich offenbar nicht bewahrheitet. Nach anderthalb Jahren im Amt muss der Berliner gehen. Merz kündigte an, ihn künftig im Bereich der Gesundheits-, Pflege- und Sozialpolitik einzusetzen.

Jetzt also Linnemann. Der Wechsel kam überraschend: Die CDU teilte gestern mit, Merz und Czaja hätten sich „heute einvernehmlich darauf verständigt, ihre Zusammenarbeit an der Parteispitze zu beenden“. So die offizielle Erklärung. Parteiintern wurde allerdings immer wieder geklagt, dass es sich bei Czajas Posten um eine Fehlbesetzung handele – es spricht also vieles für einen Rauswurf. Er habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, erklärte Merz. „Mario Czaja und ich kennen uns seit vielen Jahren, und ich schätze ihn. Daran wird sich auch nach dieser Entscheidung nichts ändern.“ Noch am selben Tag gab er bekannt, Linnemann den CDU-Spitzengremien vorzuschlagen.

Man kann den 45-Jährigen als Czaja-Gegenpol betrachten, wenn man so will: Nach links hat er jedenfalls keine Berührungspunkte, er gehört eher zum stark konservativen Teil der Partei. Während Linnemann Chef der CDU-Grundsatzkommission ist und damit maßgeblich das Profil seiner Partei schärft, hat Czaja auf früheren Wahlkampf-Flyern nicht mal das CDU-Logo abgedruckt.

Linnemann gilt als Wirtschaftsexperte in der Partei – bei diesem Thema dürfte sich Merz eine Unterstützung erwarten. Von 2013 bis 2021 war Linnemann Chef der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) – mit rund 25 000 Mitgliedern der größte parteipolitische Wirtschaftsverband in Deutschland. Der Paderborner sitzt seit 2009 im Bundestag und ist seit 2022 stellvertretender CDU-Vorsitzender. Unter Merz verantwortet er die Arbeit am neuen Grundsatzprogramm seiner Partei.

Der Sohn einer Buchhändler-Familie bezeichnet sich selbst als waschechten Westfalen, was bei Merz als Sauerländer auf Sympathie stoßen dürfte. Der Sohn einer Buchhändlerfamilie sagt über sich, er habe früh gelernt, „was unternehmerische Selbstständigkeit bedeutet“. Nach seinem Abitur hat er ein Jahr im Familienbetrieb gearbeitet, danach folgten BWL-Studium, Promotion in Volkswirtschaftslehre, später dann Jobs bei Banken.

Czaja wünschte seinem Nachfolger „Energie und kluge Ideen“ für die Erfüllung seiner Aufgabe. Er wünsche der CDU, „dass sie den eingeschlagenen Kurs der Öffnung und Weiterentwicklung von einer Mitgliederpartei zu einer Mitmachpartei, die sich für eine neue Zugehörigkeitskultur mit Maß und Mitte in der Breite der Gesellschaft stark macht, konsequent weiterverfolgt“. Zudem hoffe er, dass es gelinge, die Menschen „so zu überzeugen, dass die Union nach den anstehenden Wahlen überall stärkste politische Kraft wird und Regierungsverantwortung übernehmen kann“.

KATHRIN BRAUN (mit dpa)

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