Der Niederländer Mark Rutte kam nicht ganz an die Amtszeit Angela Merkels heran, aber er hinterlässt sein Land in ähnlichem Ermattungszustand wie die Kanzlerin das ihre. Seine Regierung – die insgesamt vierte – brachte zum Schluss nur noch wenig zustande, wirkte zerstritten und leerregiert. Ihr Bruch und Ruttes angekündigter Rückzug aus der Politik sind, bei allen Verdiensten des Liberal-Konservativen, für viele ein Anlass zum Durchatmen.
Politisch scheint sich das Land nun grundlegend neu zu konfigurieren. Viel ist jetzt von einem drohenden Rechtsruck die Rede; das ist nicht falsch, bleibt aber zugleich an der Oberfläche des Phänomens. Denn die Bauern-Bürger-Bewegung, die bei den Neuwahlen im Herbst stärkste Kraft werden könnte, besetzt eine neue Protestnische: Anders als die etablierten Rechtspopulisten Europas zieht sie ihre Energie nicht maßgeblich aus dem radikalen Widerstand gegen Migration und Islam, sondern gegen die – aus ihrer Sicht – allzu weit gehende Klimapolitik. Ihr Motor ist die Wut überforderter Bauern.
Die BBB besetzten damit genau jene Klimafrust-Nische, in die sich liebend gern auch andere setzen würden: Den Traum vom Bauernführer träumt, so hört man, auch Hubert Aiwanger. Er dürfte die Wahl im Nachbarland ganz genau beobachten – und seine Schlüsse ziehen.
Marcus.Maeckler@ovb.net